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Coiasira – Die Legende der Zeit

Prolog

Jenseits unserer Träume liegt die Welt Coiasira verborgen. Sie gleicht der unseren nur bedingt
Die Geschöpfe der Legenden erheben sich in ihr aus der Vergessenheit. So streiten Helden gegen Wesen der Finsternis, wispern das Lied der Feen im Wind, rauscht im Wasser die Stimme der Geister, vermag der Wicht den Riesen besiegen. Von Magie berührt ist Coiasira eine Welt der Wunder.
Doch die Mächte der Finsternis werfen dunkle Schatten auf Coiasira.
Der Held haucht seinen letzten Atemzug aus, das Lied der Feen verstummt im Heulen des Sturmes. Der Riese erschlägt den Wicht und das Gurgeln des Wassers lockt zum Verderben. Das Böse sickert als Gift in die Welt.
Verfeindet sind die Reiche und ihr Zwist treibt die Ritter und Helden in Kriegen gegeneinander, blind gegenüber der Gefahr. Im Klirren der Waffen, den Schreien der Verwundeten triumphiert das Böse. Dunkler wird das Land, bis selbst die Flamme der Hoffnung flackert. Allein einer Legende nach werden dereinst vier Mädchen, geboren in ihrem Element, gegen den Herrn der Finsternis ziehen. Man sagt das Schicksal habe den Ausgang dieser Schlacht noch nicht geschrieben.
Und so brachten unsere Vorfahren einst unsere letzte Hoffnung in eine andere Welt, wo sie ohne Ahnung lebten, auf dass die Hand des Schicksals sie in finsterer Stunde zu uns zurückführen sollte, um uns alle zu retten.

 

Buch 1  Anarya – Das Erdreich

 

Kapitel 1 – Der Bunker

„Seid ihr euch sicher eure Hoheit“, flüsterte eine hohe, listige Stimme. Ein Seufzen ertönte. „Wir haben keine andere Wahl Vinon. Wir sind in Gefahr. Diese Welt ist dem Untergang geweiht, wenn wir nicht schnell handeln.“

Stille erfüllte den Raum. Nach einigen Minuten des Schweigens ertönte ein weiteres Seufzen. „Aber ihr wisst, dass sie nicht bereit dafür sind. Ohne jegliche Erfahrung holt ihr sie hier her.“  Die Hoheit legte ihre Hand auf die seine und sagt: „Vinon. Sie sind hier geboren. Sie werden es lernen. Auch wenn es für sie fremd sein wird, so gehören sie immer noch nach Coiasira.“  Mit einem stolzen Gang verließ die Hoheit den Raum.

„Na los. Ihr seid zu langsam. Wenn wir nicht schneller gehen, sind wir morgen noch hier, “ sagte Hitomi während sie zusammen mit ihren drei Freundinnen durch den abendlichen Wald wanderte. Midori drehte sich wütend um. „Wir können nicht schneller. Außerdem sind wir eh gleich da.“ Während Midori wütend stampfte, lächelte Reiko und blickte zu Hina. „Die Beiden sind doch unmöglich.“

Hina schüttelte den Kopf und flüsterte: “Hitomi hetzt ständig und Midori nimmt alles zu ernst. Mich würden beide nerven“, fügte sie hinzu und blickte zu Midori und Hitomi die sich darum stritten wer vorne ging.

Während die vier Mädchen mit sich selbst beschäftigt waren, merkten sie nicht dass sie vom Weg abgekommen waren. Erst als Hina sich umsah schreckte sie auf.

 „Was ist den los Hina?“, fragten sie die anderen besorgt und blieben neben ihr stehen. Verwirrt blickte Hina  um sich und sagte: „Mädchen, wir sind nicht mehr auf dem Weg. Weiß einer wo wir sind?“

Die anderen sahen sich nun auch verwirrt um. Midori begann, auf ihren Lippen rum zu kauen. Das tat sie immer, wenn sie nervös war. Ihre Lippen waren immer ganz kaputt und blutig. Als Hina dies bemerkte, gab sie ihr ein Klaps auf den Hinterkopf. „Aua. Was soll das?“, zischte Midori und funkelte Hina wütend an. Hina schaute sie finster an. Sie war anders als Midori und Reiko, sie war in eine reiche Familie geboren. Ihr Vater war immer auf Geschäftsreisen und ihre Mutter blieb zuhause und erzog sie zu Anstand und Disziplin. Auch Hitomi’s Eltern verdienten nicht schlecht. Jedoch arbeitete ihre Mutter  als Managerin in einer Kosmetik Firma.

„Du sollst nicht ständig auf deinen Lippen kauen. Du machst sie ganz kaputt. Darüber hinaus sieht das hässlich aus.“, zischte Hina zurück.  Midori blickte traurig zu Boden. Ihre kurzen, blonden Haare, fielen ihr ins Gesicht und sie fragte leise: „Was, wenn wir hier nie mehr raus kommen?“

Plötzlich brüllte Hitomi aus der Ferne: „Hey, ich hab was gefunden. Das müsst ihr euch ansehen. Schnell kommt her.“

Die drei Mädchen liefen zu Hitomi und was sie dort sahen, ließ sie staunen. Mitten im Wald, stand ein alter, verlassener Bunker. Sein Dach war schon mit Moos übersät und fast komplett umwuchert von Sträuchern und Bäumen. Als die vier ihn genauer untersuchten, standen sie vor einer rostigen Tür. Die Tür war vollständig vom Rost zerfressen und nur oben war ein kleines Loch, gerade mal so groß wie eine Hand. Leider konnten sie nicht nachschauen was sich dort drinnen befand, denn die Tür war mit zwei dicken Holzbalken verriegelt. Der eine gerade, der andere diagonal reingeschlagen. „Na klasse“, meckerte Midori. „Nun können wir nicht mal gucken, was dahinter ist. Ob da noch Sachen aus dem Krieg drin sind?“ Fragend sahen sich die Mädchen an. „Ich habs“, brüllte Reiko und alle anderen zuckten zusammen.

„Musst du uns so erschrecken“, erklang es im Chor. „Tut mir leid, “ entschuldigte sich Reiko mit einem verlegenen Blick.“ „ Aber ich hab eine Idee, wie wir die Balken weg bekommen.“ Währenddessen blickten Hina, Midori und Hitomi neugierig zu Reiko.

 „Na was nun? Sag schon. Wie?“, fragten die anderen neugierig. Stolz klopfte Reiko sich auf die Brust.“ Wir kommen morgen wieder und bringen Hammer mit. Damit schlagen wir die Balken runter.“ Die Idee schien gut anzukommen. Doch dann ergriff Midori das Wort: „Tolle Idee. Aber dafür müssten wir erstmal“, sie machte eine kurze Pause um Luft zu holen. Dann schrie sie:“ NACHHAUSE FINDEN!“

Reiko schlug die Arme über ihren Kopf. Nach einem Moment der Stille, erblickte Hina ein Schild und rief: „Seht mal. Das hier muss ein Weg sein. Sonst würde hier kein Schild stehen. Und es führt ins Nachbardorf!“

Midori fing an wie wild rum zu hüpfen. Sie war erleichtert und in ihrem Übereifer, stolperte sie über einen Stein. Die anderen fingen an zu lachen. Midori hingegen fand das gar nicht lustig und versank in Schamesröte. Hina reichte ihr die Hand und grinste.“ Komm, lass uns gehen. Es wird schon dunkel.“

Mit einem Hops stand Midori wieder und sie gingen im schnellen Schritt nachhause. Erleichtert kamen sie bei Midori an. Vor der Haustür verabschiedeten sie sich. „Wir sehn uns dann morgen in der Schule. Da können wir ja alles besprechen wegen morgen, “ sagte Midori müde.

Alle nickten. Dann gingen sie alle nachhause. Midori öffnete das Holztor und ging hinein. Drinnen wartete die Mutter schon mit dem Abendessen. Es gab frischen Reis, gebratenes Gemüse und eine süße Sauce. Ihr lief das Wasser schon im Mund zusammen und sie wollte nur noch futtern.

„Papa hat heute wieder Nachtschicht. Wir müssen wieder ohne ihn essen.“, sagte die Mutter bedrückt. Schweigend setzte sich Midori an den Esstisch. Es war nichts Neues, das sie ohne den Vater essen mussten. Daran konnte sie auch nichts ändern. Gewöhnt hatte sie sich schon lange daran. Aber ihre Mutter anscheint noch nicht. Sie saß wieder ganz traurig am Tisch und stocherte in ihrem Essen rum.

„Ach Mama, weißt du was wir heute im Wald gefunden haben?“ Neugierig schaute die Mutter auf. Dann erzählte Midori ihr von dem alten Bunker, der rostigen Tür und das sie sich verlaufen hatten. Ein Lächeln machte sich über das Gesicht der Mutter breit, welches schnell in ein herzhaftes Lachen überging. Etwas beschämt, erwiderte Midori ein Lächeln. Aber sie war froh, dass ihre Mutter nun abgelenkt war. Und während sie aßen, redeten sie über Midori‘s Ausflug. Nach dem Essen schlenderte Midori völlig erschöpft die Treppe hinauf in ihr Zimmer. Sie ließ sich nur noch auf ihr Bett fallen und dann schlief sie ein.

Am nächsten Morgen verschlief Midori, weil sie sich nicht den Wecker gestellt hatte. Hecktisch rannte sie um her und suchte sich ihre Klamotten zusammen. „Mama, wo ist mein Pullover?“, rief Midori panisch die Treppe hinunter.

Die Mutter saß in der Küche und schmunzelte vor sich hin. Midori wurde immer nervöser und kramte in ihrem Wäschekorb rum. Es war schon viertel vor acht und die Schule beginnt bereits um acht. Langsam machte sich die Mutter bereit und holte schon einmal den Autoschlüssel aus dem Schlüsselkästchen. Als Midori die Suche aufgab, lief sie die Treppe runter zu ihrer Mutter.

„Mama wo ist er denn nun?“ Breit grinsend zeigte sie auf Midori. Diese schaute an sich hinunter und bemerkte, dass sie den Pullover längst trug. Sie hatte sich ja am Abend zuvor nicht umgezogen. Ein bisschen beschämt lief sie zurück in ihr Zimmer, zog sich die Schuhe an und holte ihre Schultasche. Dann fuhren sie zur Schule. Den Kopf gesenkt, stand Midori vor der Klassenzimmertür. Mittlerweile war es halb neun. Ihre Klasse war im ersten Stock. Die ständige Lauferei war das einzige, was Midori daran störte. Das Beste war, das man direkt zum Schwimmbecken der Jungenschule schauen konnte. In den Pausen standen die Mädchen immer an den Fenstern und beobachteten die schönen Körper der Jungs. Dabei wurden immer Vermutungen aufgestellt, wer wohl den knackigsten Hintern hat. Der jetzige Favorit war Heichi Jiba. Alle Mädchen schwärmten um ihn. Er sah gut aus, hatte einen verdammt guten Körper und war auch noch sehr gut in der Schule.

Nun stand sie vor der Tür und holte tief Luft. Dann klopfte sie dreimal und wartete geduldig auf Einlass. Einige Sekunden später öffnete eine große schlanke Frau mit kurzen schwarzen Haaren die Tür. Es war Frau Newman, die Klassenlehrerin. Sie kam aus England und unterrichtete Englisch und Sport. Vorsichtig hob Midori wieder ihren Kopf.

„Das ist jetzt schon das vierte Mal in diesem Monat. Wenn das so weiter geht, verschlechtern sich deine Noten. Du weißt ich will dir nichts böses Midori. Aber vielleicht solltest du dich von deiner Mutter wecken lassen.“ Reiko und die anderen Mädchen fingen an zu kichern. Doch Hina verzog keine Miene. Sie wusste ja warum Midori immer zu spät kam. Sie waren ja ständig im Wald, und das bis abends. Da Midori nicht viel Kondition hatte, war das für sie alles anstrengender. Schnell huschte Midori auf ihren Platz. Frau Newman führte den Unterricht fort. „Wo war ich stehen geblieben, Hitomi?“

Hitomi blickte auf und antwortete rasch: „Im Buch auf Seite 23. The Old Man.“Die Pausenglocke erlöste Midori von einer schwierigen Stunde. In Englisch war sie nicht die beste. Doch als sie gerade aus der Tür wollte, rief sie Frau Newman zu sich. Midori drehte sich schwungvoll um.  

„Ja was ist denn Frau Newman?“ Neugierig sah sie zur Lehrerin. Diese klappte das Klassenbuch zu und blickte hinauf zu Midori. „Du bist nicht sehr gut in Englisch. Das weißt du selbst. Ich habe mir gedacht, dass du Nachhilfe bekommen könntest. Ich kenne da jemand der macht das ohne Gegenleistung. Sein Name ist Heichi Jiba. Sicher ist er dir bekannt.“

Die Lehrerin lächelte. Sie wusste von den Schwärmereien der Mädchen. Midori riss die Augen auf. „Heichi? A…aber ich weiß nicht. So schlecht bin ich doch nicht.“ Die Miene von Frau Newman verzog sich schlagartig. „Du stehst bei mir vier. Das gefährdet deine Versetzung. Ich rate dir mein Angebot anzunehmen.“ Dann erhob sie sich von ihrem Stuhl und verließ das Klassenzimmer. Im gleichen Moment liefen Reiko, Hina und Hitomi auf sie zu. „Und was wollte sie? Sag schon“, fragten sie voller Neugier. Mit gesenktem Blick verriet sie das Angebot welches ihr Frau Newman gemacht hat. „Sie sagte das sei das Beste für mich.“ meinte Midori traurig. Hitomi blieb der Mund offen stehen. Hatte sie das richtig verstanden? Midori und Heichi? Sie fing innerlich an zu lachen. Doch der Drang war zu groß und sie erfüllte den ganzen Raum mit ihrem Gelächter. Die anderen sahen sie schief an.

„Was ist daran so komisch?“ Hitomi fing sich wieder und atmete tief ein. „Ich hab es mir nur bildlich vorgestellt, wie Midori völlig verklemmt neben Heichi sitzt und kein Ton raus bekommt.“ Dann musste sie sich ein weiteres Lachen verkneifen. Auch die anderen versuchten nicht zu lachen, als sie daran dachten. Ein bisschen wütend schaute Midori aus dem Fenster. Es war Frühling und die Bäume hatten wieder wunderschöne Blätter und Blüten. Sie träumte vor sich hin als sie Reiko plötzlich aus ihrem Traum riss. „Hey Mädels. Was ist nun mit nachher? Ich meine der Bunker.“ Nun war die Aufmerksamkeit auf Reiko gerichtet und Midori war erleichtert.  Sie mochte es nicht, wenn man über sie sprach. „Also. Hina, habt ihr ein Hammer zuhause?“ Hina starrte Reiko verdutzt an. „Natürlich haben wir das. Auch wenn wir reich sind, wir reparieren auch schon mal selbst etwas.“, schnaufte Hina.

Die anderen fingen an zu kichern. Gekonnt warf Hina ihre langen schwarz-roten Haare über ihre schmale Schulter. Sie war ein zierliches Mädchen. Doch sie hatte eine sehr große Oberweite. Die größte von den vier. Midori und die anderen zogen sie immer damit auf. „Gut. Also am besten bringt jeder einen Hammer mit. Dann geht’s vielleicht besser. Also dann treffen wir uns wie immer um drei bei Midori.“

Da ertönte auch schon die Pausenglocke und der Unterricht ging weiter.

Als die Schule zu Ende war, lief Midori schnell nachhause. Sie wollte Heichi nicht über den Weg laufen, weil Frau Newman ihm sicher schon Bescheid gesagt hat. Sie nahm die Abkürzung durch den Stadtpark und ehe sie sich versah war sie auch schon zuhause. Dort wartete ihre Mutter bereits mit dem Mittagessen. Als Midori die Tür öffnete kam ihr der Duft von frischen Klößen und Apfelrotkohl entgegen. Sie warf ihre Schultasche in die Ecke und nahm Platz.

„Hallo Mama.“ Die Mutter drehte sich um denn sie war gerade dabei die Teller aufzufüllen. „Hallo Midori. Wie war die Schule? War Frau Newman sehr sauer?“, fragte die Mutter neugierig. Midori schüttelte den Kopf. „Nein sie hat mich nur ermahnt. War halb so schlimm.“

Nun kam auch der Vater die Treppe hinunter und begrüßte Midori herzlich. „Na mein Kind. Geht ihr Heute wieder in den Wald?“ Sie nickte schnell mit dem Kopf. „Ja Papa. Sag mal, hast du ein Hammer für mich?“ Der Vater schaute etwas verdutzt. Er schien zu überlegen aber man muss doch wissen ob man einen Hammer im Haus hat. „Ja im Schuppen hängt einer. Aber wofür brauchst du den denn?“ Neugierig wartete er auf eine Antwort. Midori wollte ihm nicht vom Bunker erzählen, er würde es ihr sicher verbieten. Schnell ließ sie sich eine Notlüge einfallen. „Wir bauen ein Häuschen. Haben einen schicken Platz dafür gefunden. So ne Art Clubhaus.“ Ihr war nicht wohl dabei den eigenen Vater anzulügen, aber sie wollte unbedingt wissen was in diesem Bunker war. Dann kam ihr eine Idee. „Du Papa. Wir nehmen gerade im Unterricht den Krieg durch. Hier in der Gegend sind doch bestimmt noch alte Bunker. Meinst du die haben noch Sachen aus dem Krieg? Oder was ist da alles drin?“

Gemütlich setzte sich der Vater auf einen Stuhl und die Mutter stellte die Teller auf den Tisch. „Da sind bestimmt noch alte Sachen drin. Vielleicht Konserven und sowas. Aber eigentlich sind die Bunker alle leer geräumt. Es gibt bestimmt noch welche die nicht entdeckt sind. Dort kann durchaus noch altes Zeug liegen.“

 

Kapitel 2 – Die dunklen Wälder von Feeron

Midori stellte ihren Teller zusammen mit ihrem Besteck, auf die Spüle. Dann schaute sie auf die Uhr. Schon halb drei. Midori flitzte in ihr Zimmer um ihre Hausaufgaben zu erledigen, weil sie wusste, dass sie nach dem Ausflug in den Wald, wieder so müde sein würde und es nicht schafft. Sie hatte schon seit heute Morgen so ein kribbeln im Bauch verspürt und freute sich wahnsinnig darauf, zu sehen, was in dem Bunker sei.

Midori schrieb die letzte Zahl ihrer Mathematik Hausaufgaben und dann klappte sie das Heft zu. Schon zehn vor drei. „Jetzt muss ich mich aber beeilen.“  Midori packte noch ein bisschen Proviant in ihre große braune Tasche. Ein paar Bonbons und etwas Schokolade wanderten zu vier Äpfeln, die Midori von unten mit hoch geholt hatte. Sie dachte immer daran für die anderen etwas einzupacken. Reiko brachte immer Getränke mit und Hina machte leckere Butterbrote. Für die Gesundheit, war Hitomi verantwortlich. Sie nahm Pflaster und Verbandszeug mit, da es schon oft passierte, dass sich eines der Mädchen irgendwo verletzte.

„Nun muss ich aber los“, dachte sich Midori, schnappte sich hektisch ihre Tasche und ging die Treppe hinunter. In der Küche unterhielten sich Midori’s Eltern. Während die Mutter spülte, redete der Vater über seine Arbeit. „So Mama, Papa, ich bin dann mal wieder weg“, sagt Midori und unterbrach damit das Gespräch der Eltern. Midori wollte gerade zu Tür hinaus als die Mutter sie fest in den Arm nahm. Ein bisschen verunsichert erwiderte sie die Umarmung. „Pass auf dich auf, mein Kind“, flüsterte ihr die Mutter ins Ohr. Dann löste sich Midori von ihrer Mutter, ging hinaus und schloss die Tür. Draußen warteten schon die anderen drei und winkten Midori zu. Diese lächelte auf und rannte zu den anderen. Dann gingen sie gemeinsam in den Wald. Ohne eigentlich auf den Weg zu achten, plauderten sie und vergaßen alles um sich herum. Dann standen sie plötzlich wieder vor dem Bunker. Die vier blieben erschrocken stehen. Niemand brachte ein Wort heraus. Hina schüttelte den Kopf und stotterte:“ Wa…was ist da passiert?“

Die Balken vor der Tür waren weg und die rostige, alte Tür lag auf dem Boden. Midori tat einen Schritt nach vorne. „Vielleicht waren hier ja noch andere gewesen. Umso besser, dann haben wir nicht mehr die Arbeit, die Balken weg zu machen.“ Vorsichtig gingen sie auf den Bunker zu und blieben vor dem Eingang stehen. Ein kalter Schauer lief Reiko über den Rücken als sie in den dunklen geheimnisvollen Raum sah. „Hat jemand ein Feuerzeug dabei?“, fragte Midori die anderen, die sich zu fürchten schienen. Hitomi kramte in ihrer Tasche und zog ein kleines gelbes Feuerzeug raus. Midori nickte ihr zu und nahm das Feuerzeug entgegen. Sie musste zweimal drücken, ehe sich die Flamme zeigte. Nun war der Moment gekommen und Midori betrat den Raum. Doch die Erwartungen waren zu hoch gesetzt. Es war ein leerer, kalter Raum. Dort war nichts. Ein Quadratischer Raum und mehr nicht. Enttäuscht rief sie die anderen zu sich. Als die letzte der vier Mädchen den Raum betrat, geschah etwas Unvorstellbares.

Vor ihnen erstreckte sich ein großer dunkler Wald. Wie aus dem nichts war er aufgetaucht. Die Bäume waren so hoch gewachsen, dass sie nur vereinzelte Sonnenstrahlen durchließen. Das Gras war so grün wie ein geschliffener Smaragd und man roch den herrlichen Duft der Blumen die sich über einen schmalen Weg bis zum Horizont ausbreiteten. Doch wo waren sie? Irritiert drehten sich die Mädchen in alle Richtungen. Der dunkle, leere Raum war weg. Sie standen in mitten eines riesigen Waldes.

Panisch und doch neugierig schaute Midori sich um. Der Wald wirkte bedrohlich und doch strahlte er eine gewisse Sicherheit aus.

„Wo sind wir? Ist das „unser“ Wald?“, fragte Hina ängstlich und blickte die anderen an. Sie konnte es sich nicht erklären, aber sie fühlte tief in ihrem Herzen, eine tiefe Verbundenheit zu dem Wald. Als wäre sie schon einmal hier gewesen. „Ich fürchte nicht“, antwortete Midori betrübt und zeigte auf einen Wegweiser am Rand. Dort stand auf einem alten morschen Holzbrett „Feeron“. Der Pfeil auf dem Brett zeigte nach links. Die Mädchen starrten auf das Brett. Feeron war ihnen kein bekannter Name. Doch wo sollten sie sein?  Plötzlich raschelte es vor ihnen im Gebüsch und die vier schrien auf. Midori versteckte sich hinter Hina. Vorsichtig guckte sie über Hina’s Schulter. Gespannt warteten sie darauf, was nun aus dem Gebüsch kam. Dann Sprang ein kleiner weißer Hase vor ihre Füße. Er sah richtig putzig aus. Seine Ohren hingen schlapp auf den Boden. Auf seiner Stirn hatte er einen braunen Fleck. Midori wollt gerade auf den Hasen zugehen, als eine dunkle, männliche Stimme hinter ihnen ertönte:

“ Wer seid ihr? Welch Anliegen ihr begehrt?“ Ein weiteres Mal schrien die Mädchen auf und drehten sich verschreckt um. Vor ihnen stand ein großer Mann, mit langen dunkelgrünen Haaren und spitzen Ohren. Seine Gesichtszüge waren markant und sehr ausgeprägt. Seine Augen Mausgrau. Er machte ein ernstes Gesicht. In seiner Hand hielt er einen dünnen, langen Bogen. „Das ist ein Elf!“, flüsterte Hitomi den anderen zu. Einen Moment verweilten sie. Dann trat Hina vor und sprach: „Wo sind wir? Könnt ihr uns helfen? Wir wissen nicht wo wir sind.“ Der Elf musterte sie und bemerkte ihre fremdliche Kleidung. „Ihr scheint nicht von hier zu sein“, sagte er. Dann kam er ein paar Schritte näher. Etwas verängstigt blickte Hina ihm in seine grauen Augen. „Was für ein Ort ist das hier“, fragte sie ihn ein weiteres Mal. Einen kurzen Moment lang, sahen sie sich nur an. Die anderen drei beobachteten sie dabei. Dann entspannte sich das Gesicht des Elfen und er lächelte sanft. „Ihr seid hier in den Wäldern von Feeron. Im Königreich Anarya. Feeron ist das Dorf der Waldelfen und liegt westlich von Mandir Ista. Der Hauptstadt Anarya’s. Nun sagt, wer seid ihr?“ Wie ein Blitz durchfuhr es Midori. Sie erinnerte sich an das Gespräch mit ihrer Mutter. Als sie ihr von dem Bunker erzählte, murmelte sie etwas. Midori dachte, sich verhört zu haben, aber ihre Mutter sagte Feeron. Da war sie sich sicher.

Während die Mädchen sich unterhielten lief der kleine Hase auf den Elf zu. „Iosell. Da bist du ja. Wo hast du nur gesteckt?“, sagte er zu dem kleinen Hasen. Die Mädchen wandten sich wieder zum Elf. Sie wussten nicht, wie sie sich das erklären sollten. Midori ging auf den Elf zu. „Ich befürchte, wir sind aus einer fremden Welt. Wir kennen diesen Ort nicht. Ihr seht ja, wir tragen andere Kleidung als ihr. Bitte, könnt ihr uns helfen?“ Fassungsloss sah sie der Elf an. Er wusste nicht ganz, wie er sich verhalten sollte. Ob diese vier Mädchen die Wahrheit sagten? Doch wie sollte er sich diese fremdliche Kleidung erklären. Zögerlich reichte er Midori die Hand. „Mein Name ist Karêg. Ich bin Späher und durch streune den Wald auf der Suche nach Feinden und wer seid ihr?“ Sein Händedruck war kräftig. Doch schien er nicht zu fest zu drücken, weil Midori ein Mädchen war.

„Ich heiße Midori. Das dahinten sind meine drei Freundinnen Reiko, Hina und Hitomi. Wir sind aus einer Welt die sich Erde nennt. Als wir durch unseren Wald gingen, kamen wir an einen alten Bunker. Von dort sind wir hier gelandet.“ Es kam Midori irgendwie lächerlich vor, als sie ihm davon erzählte. Doch zu ihrem erstaunen schien er nicht überrascht zu sein. „Ach sagt das doch gleich. Ihr seid über das Portal der Waldelfen in unsere Welt gelangt. Beachtlich. Niemandem ist da bisher gelungen. Weder von hier noch von der Erde.“  Überrascht starrten die Mädchen ihn an.

„Darf ich euch nach Feeron bringen?“, fragte Karêg vorsichtig. Midori drehte sich zu ihren Freundinnen um und wartete auf deren Zeichen. Diese nickten und Midori erwiderte: „Wir bitten darum. Da wir uns hier nicht auskennen, sind wir auf dich angewiesen.“ Karêg hob den kleinen Hasen auf seine breiten Schultern und sagte: „Ihr habt Glück. Von hier aus, ist Feeron nicht weit. Wir laufen nur drei Stunden.“ Die Mädchen stöhnten auf. Doch sie konnten nichts daran ändern und folgten Karêg den schmalen Weg entlang.

Nach drei Stunden Fußmarsch kamen sie in Feeron an. Das Dorf war nicht wie die auf der Erde. Die Häuser in Feeron waren zum Teil in den Bäumen gebaut und es war erstaunlich wie simpel hier alles gehalten wurde. Die Aufzüge zu den Baumhäusern bestanden aus Holzbrettern und einem Flaschenzug Mechanismus. Während Karêg und die Mädchen durch das Dorf liefen, zogen sie die Blicke der anderen Elfen auf sich. Midori fühlte sich Unbehagen und versuchte den Blicken auszuweichen. Dann blieb Karêg abrupt stehen. Direkt vor einem kleinen Haus aus Holz. Das Dach bestand aus riesigen Blättern die mit Bast gebunden waren und am Eingang hing nur ein rotes Tuch.

„Tretet ein“, erklang es aus dem Haus. Es war eine warme weibliche Stimme. Karêg zog sich seine Schuhe aus und schob den Vorhang zur Seite. „Folgt mir“, sprach er zu den Mädchen. Die zögerten keinen Moment, zogen sich ebenfalls die Schuhe aus und folgten Karêg. Im Haus saß eine alte Elfin mit kurzen weißen Haaren. Ihre Augen waren umringt von Falten und ihr Blick war trüb. Ihr Kopf war gesenkt. Sie hob die Hand. Karêg ging auf sie zu und reichte ihr seine Hand. „Ah Karêg. Schön dich zu sehen. Wie geht es dir? Sag was führt dich zu mir?“ Karêg kniete sich vor die Elfin und legte seine Hand auf den Schoß.

„Awilyn. Ich bin hier, weil ich auf meinem Weg durch den Wald, auf vier Mädchen gestoßen bin. Sie sagen sie kommen von der Erde.“ Awilyn hob ihren Kopf. „Bitte tretet vor. Ich bin blind und ich möchte euch bitten mir die Hand zu reichen.“ Verwirrt sahen die Mädchen Karêg an. Dieser nickte mit dem Kopf und Midori trat vor die alte Elfin. Langsam reichte sie Awilyn die Hand. Diese schien etwas verblüfft und bat die anderen drei ihr ebenfalls die Hand zu reichen. Erst Reiko dann Hitomi. Dann gab Hina ihr die Hand. Awilyn strich ihr mit der zweiten Hand über den Handrücken. Dann kamen ihr die Tränen. Verschreckt zog Hina ihre Hand weg. „Hab ich was falsch gemacht?“ Auch Karêg war verwirrt. „Was habt ihr Awilyn? Geht es euch nicht gut?“ Während sie sich die Tränen von den Wangen strich atmete sie tief ein. „Mein Kind ist zurück gekehrt. Mein kleines Mädchen ist erwachsen und ist endlich zurück gekehrt.“ Alle Blicke fielen auf Hina. „Schaut mich nicht so an. Ich weiß von nichts.“, stammelte sie. „Seid ihr euch sicher Awilyn?“, hackte Karêg nach. Sanft legte Awilyn ihre Hände auf Karêg‘s Gesicht. „Karêg ich mag zwar mit den Augen nichts sehen können, doch mit dem Herzen kann ich es. Setzt euch bitte. Ich erzähle euch nun eine alte Geschichte.“

Awilyn’s Atem wurde langsam. Ihre Augen schlossen sich und sie legte ihre Hände in den Schoß.

 

„Es ist schon lange her. Damals war ich noch Jung und naiv. Ich lernte einen Mann kennen und nachdem wir einige Zeit zusammen waren, beschlossen wir, ein Kind zu bekommen. Doch ich wusste nicht, dass er der Herrscher von Tarion war, dem dunklen Reich. Ich wurde schwanger und als es soweit war, verbanden sie mir die Augen. Ich durfte dich nicht sehen und du wurdest fort gebracht. Ich weiß bis heute den Grund nicht. Damals lebten wir noch friedlich zusammen mit den Bewohnern der Erde. Doch seit dem Tag deiner Geburt wurde das Portal versiegelt und niemand konnte weder ein noch aus. Wir sind hier in Coiasira. Dem Land der Zeit. Hier vergeht die Zeit viermal so schnell wie auf der Erde. Das heißt, hier ist es 80 Jahre her, dass ich dich gebar. Auf der Erde nur 20 Jahre. Es scheint als hätte man dich damals zur Erde gebracht. Nun wo Coiasira in großer Gefahr schwebt, bist du zurück gekehrt. Jemand muss das Portal für euch geöffnet haben. Ich kann es mir schon vorstellen wer das getan hat. Es erfüllt mein Herz mit großer Traurigkeit, jetzt wo ich dich endlich vor mir habe, dich nicht sehen zu können. 80 lange Jahre habe ich darauf gewartet. Nie habe ich dich vergessen. Doch ich weiß, auf der Erde hast du sicherlich ebenfalls eine Mutter. Es tut mit Leid. Du denkst sicher das ich eine Fremde für dich bin.“

Dann senkte Awilyn wieder den Kopf. Hina wusste nicht damit umzugehen und rannte stürmisch hinaus. Die anderen wollten ihr folgen doch Awilyn hielt sie zurück.

„Lasst ihr den Moment um darüber nachzudenken. Sie wird bald wiederkommen und noch mehr Antworten verlangen. Nun zu euch drei. Ich habe es gespürt, als ich eure Hände hielt. Ihr seid dem gleichen Schicksal verschrieben wie mein Kind. Nun sagt mir bitte, wie nennt ihr sie? Ihr müsst wissen, dass sie hier vermutlich einen anderen Namen trägt. Nun verratet mir, wie soll ich sie ansprechen?“ Midori ergriff das Wort und antwortete mit gesenkter Stimme: „Ihr Name ist Hina. Meiner ist Midori. Die anderen beiden sind Reiko und Hitomi. Wisst ihr sie zu unterscheiden?“ Awilyn lächelte. Ihre schmalen Lippen waren dunkelrot.

„Ich sagte bereits, meine Augen vermögen nichts zu sehen, doch mit dem Herzen sehe ich alles. Ich weiß wer die beiden sind und weiß sie zu trennen.“ Midori legte ihre Hand auf Awilyn’s. „Verratet ihr mir Hina’s richtigen Namen?“ Awilyn nahm Midori’s Hände und hielt sie zwischen ihren.

„Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur anders. Ihr Name ist Teleria.“ In dem Moment kam Hina zurück in das Haus. Entschlossen setzte sie sich neben Midori. „Also war mein Leben eine Lüge?“, sagte Hina mit trauriger Stimme. Awilyn vermag es nicht, ihr Kind so zu hören. Sie wusste dass es nicht stimmte. „Es ist keine Lüge. Du hast deine Erfahrungen im Leben gesammelt. Oder willst du sagen, dass es eine Lüge war, wenn du morgens aufgewacht bist? Oder wenn du gegessen hast? Nein, es war weder Lüge noch Wahrheit. Es war dein Leben. Nur weil du es nicht dort gelebt hast, wo du geboren wurdest, ist es keine Lüge.“ Diese Worte schienen Hina wieder aufzumuntern. Awilyn hatte Recht. Hina schien eine gewisse Vertrautheit zu Awilyn aufzubauen. Immerhin war sie ihre Mutter. Doch ihre Mutter auf der Erde wird sie nie vergessen. Karêg mischte sich ein. „Ihr habt davon gesprochen, dass ihr wisst, wer das Portal geöffnet hat. Verratet uns wer hat es getan?“

Kurz war es Still in dem Haus. Dann seufzte Awilyn und sprach: „Ich vermute es war Daleone.“ Karêg öffnete weit die Augen. „Etwa die Herrscherin von Anarya. Aber wieso?“ Midori und die anderen verstanden nichts mehr. Ihnen war das alles fremd und es verwirrte sie. „Ich glaube ich muss euch noch mehr über Coiasira erzählen“, sagte Awilyn mit einem Lächeln.

„Coiasira ist in sieben Königreiche unterteilt. Das erste Reich ist Elenya, das Reich des Wassers. Dann kommt Anarya, das Reich der Erde. Isilya ist das Reich des Feuers und Alduya ist das Luftreich. Das fünfte Reich ist Menelya, das Königreich der Farben. Das Reich des Lichtes ist Valanya und Tarion das der Dunkelheit. Seit einiger Zeit, herrscht Zorn zwischen den Reichen. Früher war Coiasira ein friedliches und glanzvolles Land. Die Elfen, Menschen und die anderen Wesen die hier leben, waren Freunde und halfen sich gegenseitig. Doch dann kamen immer mehr Gerüchte auf, das die einen über die anderen schlecht redeten. So kam das Misstrauen und dann die Feindschaft. Jedes Reich blieb für sich und duldete keinen des anderen Reiches. Nicht mal die Herrscher wollten etwas mit den anderen Königreichen zu tun haben. Es war eine Art stiller Krieg. Schon viele wurden wegen dieser Fehde gefangen genommen oder gar getötet. Ich denke das Daleone nun ihre Augen geöffnet hat und sieht, wie Coiasira einem Krieg nahe kommt.“ Karêg ließ die Worte in seinem Kopf abspielen. Krieg…Es wird ein Krieg geben. Wie ein Blitz überkam ihn das Gefühl von Angst. Er zuckte zusammen bei dem Gedanken dass er bald auf dem Schlachtfeld stehen könnte.

„Ich glaube es ist an der Zeit Karêg, die Mädchen nach Mandir Ista zu bringen. Daleone wartet sicher schon auf auch, “ sagte Awilyn mit leiser Stimme. „Damit ihr nicht so auffallt, geht zu Luja. Sie wird euch Klamotten geben, die nicht so auffallen. Ihr sollt unerkannt bleiben.“ Dann zog sich Awilyn hinter einen Vorhang zurück. Während sie das Haus verließen, blickte Hina noch einmal zurück. Es schmerzte sie zu sehen, das Awilyn so traurig war. Karêg führte Midori und die anderen zu Luja, nicht weit entfernt von Awilyn’s Haus. Dort angekommen, schaute Luja sie skeptisch an. „Ich weiß zwar nicht wer ihr seid, aber wenn Awilyn euch vertraut, tu ich es auch. Kommt her wir werden was Passendes für euch finden.“ Etwas schüchtern begleiteten sie Luja in den hinteren Raum. Luja beäugte die Mädchen genau.

 „Du, mit den Lila Haaren, komm her“, sagte Luja barsch. Völlig erstaunt sahen sich die Mädchen an. Dann erschraken  sie sich fürchterlich. „Wah wie seht ihr denn aus“, stammelte Midori und erblickte sich gleichzeitig in einem Spiegel. „Ahh und ich? Was ist passiert? Ich habe lange lila Haare!“ Luja fing laut an zu lachen während sich die vier Mädchen begutachteten. Dann drehten sie sich zu Luja, die mehr zu wissen schien als sie sagte. „Warum habe ich lila Haare?“, fragte Midori panisch. Luja fing sich wieder und antwortete mit einem breiten Grinsen:“ Ist euch nichts aufgefallen? Als ihr mein Haus betreten habt, hat sich nicht nur eure Haarfarbe verändert. Schaut euch mal eure Ohren an.“ Dann ertönte ein lauter Schrei. Karêg eilte in das hintere Zimmer und sah sich hektisch um. „Karêg, wir habe Elfen Ohren“, murmelten die Mädchen im Chor. Dieser fing lauthals an zu lachen. Er musste sich den Bauch halten so sehr lachte er. Luja klärte die Mädchen auf. „Ich habe um mein Haus einen Wahrheitszauber gelegt. Jeder der hier eintritt nimmt seine wahre Gestalt an. Das schütz mich vor unangenehmen Gästen.

Nachdem der Schock überwunden war, schlenderte Midori zu Luja. „Hier das ist für dich“, sagte sie bestimmend und reichte ihr ein Bündel neue Kleidung. „Du kannst dich dort hinten umziehen“, fügte sie hinzu und zeigte auf eine aus Stroh gefertigte Trennwand. Midori stellte sich dahinter und zog ihre alten Klamotten aus. Dann öffnete sie die Schleife des Bündels und zog sich die neue Kleidung an. „Was ist das?“, zischte Midori als sie sich im Spiegel sah. Die anderen wurden neugierig und forderten sie auf, sich zu zeigen. Beschämt trat sie vor. Reiko, Hina und Hitomi fingen an zu grinsen. Karêg wurde rot im Gesicht. Midori trug eine weiße Bluse mit schwarzem Korsett. Dazu einen ziemlich kurzen weißen Rock und lange schwarze Stiefel, mit weißem Saum. „Das ist doch nicht dein ernst Luja?“, tuschelte Midori. Luja lächelte, zog ihr die Schnüre fest und sagte fröhlich: “So was trägt man hier. Und die anderen bekommen auch noch ihre Kleidung. Außerdem steht dir das sehr gut.“ Reiko und die anderen beiden fixierten Luja und nahmen ihre Bündel entgegen. Gemeinsam gingen sie hinter die Trennwand. Nach einigen Minuten trat einer nach dem anderen stillschweigend hervor. Karêg trieb es die Schamesröte ins Gesicht. So viele knapp bekleidete Frauen sah er selten. Hina trug eine braune, langärmelige Schnürrbluse und einen langen gelben Rock der bis zu den Knien reichte. Dazu kurze Stiefel, deren Saum man umschlagen konnte. Als Reiko vortrat musste Karêg erstmal husten. Es war ihm schon etwas peinlich, die Mädchen so zu sehen. Denn Reiko war sehr knapp bekleidet um den Hüftbereich. Sie trug eine weite Bluse in rosa und da drüber einen breiten schwarzen Gürtel. Eine sehr kurze schwarze Hose mit Rüschen und Oberschenkelhohe Stiefel ebenfalls in rosa. Hitomi die sonst eine große Klappe hatte, schwieg bei dem Anblick ihrer Kleidung. Sie hatte ein rotes Schnürrtop ohne Ärmel an. Ihre Beine wurden von einer kurzen weißen Hose verdeckt, die nach unten hin weit wurde. Dazu trug sie kniehohe Stiefel auch in rot.

„Ihr seht fantastisch aus“, jubelte Luja. Die Mädchen schienen nicht begeistert zu sein. Sie fühlten sich „nackt“ und glaubten damit noch mehr Blicke auf sich zu ziehen als wenn sie ihre alte Kleidung behalten hätten.

„Eure Hoheit. Ich habe Kunde aus dem Dorf Feeron. Sie sind dort. Leider haben sie bereits mit Awilyn gesprochen.“ Daleone stellte ihre Tasse ab und ging zum Fenster. „Ich danke dir Vinon. Ich glaube es war ganz gut das Awilyn mit ihnen gesprochen hat. So sind sie etwas vertrauter in unserer Welt. Außerdem ahnt sie sicher, wer das Portal geöffnet hat. Sie wird sie zu mir schicken.“ Vinon nickte und verließ mit einer Verbeugung den Raum. „Es ist unsere letzte Hoffnung. Ohne euch, sind wir verloren“, flüsterte Daleone und zog den Vorhang zu.

 

Kapitel 3 – Aufbruch nach Mandir Ista

Karêg und die Mädchen verabschiedeten sich von Luja und gingen noch einmal zurück zu Awilyn’s Haus. Sie wollten sich noch verabschieden. Doch als sie das Haus betraten war Awilyn immer noch hinter dem Vorhang und schwieg. „Awilyn. Wir wollen nun aufbrechen“, brachte Karêg gerade noch raus als plötzlich ein junger, schlanker Elf ins Haus stürmte. „Wo willst du hin, Vater? Wieso gehst du ohne ein Wort?“ Der Junge Elf war aufgewühlt und schnaufte. Dann trat Awilyn vor den Vorhang und fing an zu lachen. „Ah Len. Deine Stimme erkenn ich sofort.“ Verwirrt und beschämt stand der junge Elf in der Tür und wartete auf eine Antwort. Karêg wusste nicht so recht, was er ihm sagen sollte. „Mein Sohn. Darf ich dir diese vier jungen Mädchen vorstellen? Das sind Midori, Hina, Reiko und Hitomi. Mädchen, das ist mein Sohn Len.“ Zögernd blickte Len zu den Mädchen. Auf einmal schrie Reiko wie von einer Biene gestochen: „Eine eins! Eine glatte eins!“  Wirr blickten alle auf Reiko. Niemand außer den Mädchen verstand was damit gemeint war. Midori versuchte die Situation zu klären, ohne dass die anderen die wahre Bedeutung herausfanden. „Sie meinte dein erster Sohn. Er ist bestimmt dein erster Sohn.“ Etwas stutzig sah Karêg sie an. Dann hustete er einmal kräftig und antwortete: „Ja das stimmt. Ihr Mädchen seid schon seltsam.“ Len suchte nach einer Antwort, warum sein Vater  fort gehen wollte. In einem langen Gespräch erzählte er ihm die Wahrheit, doch ganz verstehen tat Len das nicht. Trotzdem entschied er sich seinen Vater zu begleiten. „Nein Len. Du wirst hier bleiben. Es ist zu gefährlich für dich.“ Verdutzt sahen ihn die Mädchen an. Hatten sie gehört dass es gefährlich wird? Und sie müssen mitkommen? „Aber Vater. Diese Mädchen können sich sicher nicht so gut verteidigen wie ich. Bitte lass mich dir helfen“, flehte Len seinen Vater an.

Karêg grübelte lange vor sich hin. Er war sich nicht sicher ob das richtig war, seinen Sohn mitzunehmen. Doch Karêg fühlte sich etwas Unbehagen bei den hübschen Mädchen.

„Also gut. Dann pack deine Sachen und komm zur alten Eiche.“ Len sprang fröhlich auf und rannte aus dem Haus. Die vier Mädchen fanden es auch nicht schlecht das Len mitkam. Er war hübsch und hatte einen schönen Körper. Sie fühlten sich wie zuhause.  Dort hatten sie auch schöne Jungs um sich. Mit dem Unterschied, das diese keine Elfenohren hatten. Len wirkte etwas schüchtern und benahm sich eher wie ein kleines Kind. Doch strahlte er etwas Männliches aus. Die Mädchen hatten jedenfalls ein Auge auf ihn geworfen.

Nun war es an der Zeit aufzubrechen. Eine gedrückte Stimmung herrschte in Awilyn’s Haus. Awilyn wusste, das sie Hina nicht so schnell wiedersehen würde. Das ließ ihr Herz in Trauer schlagen. Doch ihr war klar, das diese Mädchen zu mehr bestimmt waren. Sie spürte es tief in ihrem Herzen. Etwas Magisches umgab die Mädchen und Daleone hatte sie nicht ohne Grund nach Coiasira geholt.

„Es tut mir Leid Awilyn. Aber wir müssen nun aufbrechen. Du weißt das es eine lange Reise ist“, sagte Karêg. Awilyn nahm Karêg in den Arm und flüsterte ihm ins Ohr: „Pass bitte gut auf die Mädchen auf. Wenn es sein muss, mit deinem Leben.“ Etwas eingeschüchtert trat er zurück. „Natürlich. Ihr könnt auf mich zählen.“ Dann ging Hina auf sie zu und nahm sie fest in den Arm. „Ich schwöre bei meiner Mutter, ich werde wiederkehren. Dann werden wir uns besser kennen lernen.“ Wieder trieb es Awilyn die Tränen ins Gesicht. Sie schien etwas zu ahnen, doch vermochte es nicht auszusprechen. Dann drückte sie die restlichen Mädchen. Jeder von ihnen bekam noch ein Beutel mit Proviant und dann verließen sie das Haus. Awilyn blickte ihnen hinterher, als sie allmählich am Horizont verschwanden. „Ich befürchte dass ich dann nicht mehr da sein werde“, flüsterte sie und verschwand hinter dem Vorhang.

Die alte Eiche lag etwas außerhalb vom Dorf. Karêg und die Mädchen verließen das Dorf und schon nach kurzer Zeit, sahen sie Len auf einer großen Wurzel sitzen. Er war schon fertig und wartete nur noch auf die anderen. Als er sie erblickte, sprang er auf und stand Kerzengrade. Karêg musste schmunzeln wie schüchtern sein Sohn in Gegenwart der Mädchen war. Len spürte wie ihn die Mädchen ansahen, als wäre er ein Stück Fleisch. „Also gut. Das wird ein langer Weg“, sagte Karêg und seufzte. „Mandir Ista liegt drei Tagesmärsche von hier entfernt. Wenn wir uns nicht beeilen sogar vier.“ Die Mädchen fingen laut an zu stöhnen. Hina die es sonst gewöhnt war, in einem großen Himmelbett zu schlafen fragte Karêg wo sie übernachten sollten. „Natürlich im Wald. Was dachtet ihr denn?“ Mit weit geöffneten Augen blickten sie Karêg an. Midori dachte daran, wie viele Krabbeltierchen wohl auf dem Boden liefen. Allein bei dem Gedanken, diese Tierchen krabbeln über sie, ließ Midori keine Ruhe. Es war das erste Mal, das sie es bereute diesen Bunker betreten zu haben. Doch ändern konnte sie es nicht und versuchte das Beste draus zu machen.

Karêg klopfte Len fest auf die Schulter, worauf hin dieser anfing zu husten. „Dann mal los mein Sohn. Bist du bereit? Es ist für dich das erste Mal, dass du die Wälder von Feeron verlässt“, betonte Karêg. Len wurde schon ein wenig mulmig. Doch er war abenteuerlustig und wollte endlich mehr von Coiasira kennen lernen. Er verspürte ein kribbeln in seinem Körper und wollte so schnell wie möglich aufbrechen. „Los lass und endlich aufbrechen“, sagte er und zog seinem Vater am Ärmel. Die Mädchen machten sich Gedanken wie sie diese lange Reise überstehen sollten. Sie waren noch nie so lange unterwegs und schon gar nicht im Wald.

Dann wanderten sie los. Karêg führte die Truppe an und ging mit seinem langen Bogen voraus. Er passte auf, dass sie nicht von wilden Tieren angegriffen wurden. Elfen hören bekanntlich dreimal so laut wie Menschen. Das heißt, dass sie schneller hören, wenn sich jemand nähert. Hinter Karêg ging Len, der als Waffe ein Kurzschwert bei sich trug. Seine Genauigkeit war so groß wie die eines betrunkenen Elfen. Er hatte sich mit dem Bogen versucht, doch kam er damit nicht zurecht. Deswegen spezialisierte er sich auf den Nahkampf.

Midori und die anderen Mädchen gingen dicht hinter Len. Midori wich nicht von Hina’s Seite. Sie fürchtete sich in diesem großen dunklen Wald zu verlaufen. Wer wusste schon, was hier für Kreaturen lauerten. Reiko und Hitomi amüsierten sich prächtig bei dem Anblick wie Midori sich an Hina’s Arm klammerte.

Plötzlich schrie Midori auf. Verschreckt drehten sich Karêg und Len um. „Was ist passiert?“, fragte Karêg besorgt. Midori war starr vor Angst und brachte zuerst kein Wort raus. Karêg ging auf sie zu und rüttelte Midori wach, die in den dunklen Wald starrte. Es dämmerte bereits.

„Ich hab da was gesehen. Da hinten. Es waren giftgrüne Augen und sie funkelten mich an“ antwortete Midori mit zitternder Stimme. Ein bisschen verunsichert schaute Karêg um sich. Er hatte nicht das Geringste gehört. „Deine Augen haben dir bestimmt ein Streich gespielt. Wenn hier etwas gewesen wäre, hätte ich es gehört. Es gibt nichts was sich lautlos bewegt“, beruhigte sie Karêg.

Überzeugt war Midori jedoch nicht. Doch vielleicht hatte sie sich wirklich nur geirrt. Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, sagte Karêg: „Wir werden bald unser Schlaflager aufschlagen. Hier in der Nähe ist ein kleiner See. Da können wir uns morgen früh waschen.“ Schnell setzten sie ihren Weg fort. Sie wollten ankommen, solange sie noch einigermaßen sehen konnten.

Ehe sie sich versahen, waren sie am See angekommen. Die Sonne war schon fast vollständig untergegangen. Während sich die Mädchen auf einem umgefallenen Baum ausruhten, machte Len sich auf, Feuerholz zu besorgen. Doch es war schon ziemlich düster und Karêg sorgte sich um seinen Sohn. „Ich bitte dich Midori. Bitte begleite Len. Falls etwas passiert, ist er nicht alleine und einer kann Hilfe holen.“

Midori verstand die Sorge von Karêg, legte ihren Beutel neben den Baum und folgte Len. Der schien sie nicht zu beachten. Den ganzen Weg über sagte er kein Wort.

Midori hätte eh kein vernünftiges Wort aussprechen können, da sie Len nervös machte. Sie war sehr schüchtern gegenüber hübschen Jungs, oder Elfen. Die Beiden sammelten genug Holz und marschierten dann zurück zum Lager. Und wieder sah Midori diese grünen Augen. Sie erschrak, schrie auf und ließ das Holz fallen. Karêg hörte den Schrei und rannte zu den beiden. Er befürchtete das Schlimmste. Doch seine Sorge wurde schnell besänftigt als er Len zusah, wie er Midori half, das Holz zu nehmen. Karêg musste auch ein bisschen schmunzeln. Sein Sohn wirkte erwachsen und hilfsbereit, was er nie von ihm kannte. Ob das an der Gegenwart dieser Mädchen lag? Karêg nahm Midori das Holz ab und im Lager fragte er sie besorgt, warum sie geschrieen hatte. Midori hing der Schock immer noch in den Knochen.

Leise antwortete sie: „Ich habe wieder diese Augen gesehen. Es war keine Einbildung.“ Midori zitterte am ganzen Körper. Hina machte sich schreckliche Sorgen um ihre Freundin, die wie eine kleine Schwester für sie war. Sie legte ihren Arm um sie.

Karêg konnte sich das alles nicht erklären. „Len. Hast du was gehört oder gesehen?“ Dieser senkte den Kopf. „Nein, tut mir Leid Vater.“ Len schienen Schuldgefühle zu plagen. Er hätte was hören müssen, aber seine Elfischen Instinkte schienen noch nicht so ausgeprägt zu sein. Midori sah in Len’s Gesicht, wie enttäuscht er war.

Alle saßen um das Feuer und aßen Laffbrot, welches ihnen Awilyn mitgegeben hatte.

Es war das Hauptnahrungsmittel in Feeron. Schmeckte wie normales Brot nur etwas salziger und weicher. Die Mädchen waren erschöpft und wollten nur noch schlafen.

Sie rissen sich zusammen, da sie nichts daran ändern konnten, im Wald zu schlafen.

Auch Karêg und Len machten sich fertig fürs schlafen. Als alle in ihren Decken eingemummelt waren, löschte Karêg das Feuer, um niemanden anzulocken.

Es waren einige Stunden vergangen, als Midori aufwachte. Es war mitten in der Nacht, doch sie musste mal. „Psst. Hina, bist du wach?“, flüsterte Midori. Hina antwortete nicht. Midori traute sich nicht alleine, in den Wald zu gehen. Doch Hina schien nicht aufzuwachen. „Pssst. Hina wach auf!“, flüsterte sie ein weiteres Mal.

Hina schlief tief und fest. Midori musste immer dringender und bald war der Drang zu groß und leise schlich sie weiter in den Wald. Sie ging ganz Langsam, damit sie nicht über etwas stolperte. Plötzlich ergriff sie jemand von hinten und hielt ihr den Mund zu.

Midori wurde panisch und versuchte sich zu befreien. „Hey. Ich bins, Len. Ich wollte nicht das du wieder schreist“, flüsterte er. Etwas beschämt drehte Midori sich um. Sie sah sowieso nichts aber nun war sie froh, dass sie nicht alleine war. Auch ihre Situation, brachte Midori nicht davon ab, nervös zu sein. „Öhm. Was machst du hier?“, erkundigte sie sich. Len kam ein bisschen näher und Midori spürte seinen Atem auf ihrem Gesicht.

„Ich konnte nicht schlafen und habe gehört wie du versucht hast Hina zu wecken. Als du dann alleine losgegangen bist, habe ich mir Sorgen gemacht, dir könnte was passieren.“ Dann schwiegen beide. Midori war gerührt wie sehr sich Len um sie sorgte. Dann kam wieder der Drang. „Ähm. Entschuldige mich mal kurz. Ich muss mal.“ Zum Glück war es dunkel, denn sonst hätte Len sehen könnte wie knallrot Midori momentan im Gesicht war. Nach einigen Minuten kam sie wieder zurück.

Len war ein Elf und konnte in der Finsternis einigermaßen gut sehen. Doch Midori ging sehr Langsam, aus Angst zu stürzen. Dann passierte es. Midori fiel über einen kleinen Ast. „Autsch. Das passiert auch immer mir.“ Len, der vor ihr ging, drehte sich um.

Er hockte sich neben Midori und legte seine Hand auf ihre. Midori zuckte erst zusammen, dann nahm sie seine Hand. Len half ihr hoch und fragte besorgt: „Ist dir was passiert? Hast du dir wehgetan?“ Mit einem Ruck stand sie wieder und erwiderte: „Nein, nein, Danke.“ Während des ganzen Rückweges, ließ Len ihre Hand nicht mehr los. Midori bekam ein leichtes kribbeln im Bauch. Sie fühlte so was zum ersten Mal und wusste auch nicht so recht, wo sie dieses Gefühl einordnen sollte.

Auch Len fühlte sich zu Midori hingezogen. Doch eingestehen wollte er sich das nicht. Es war für beide ein komisches Gefühl.

Am Lager angekommen, bedanke sich Midori und wollte zu ihrem Schlafplatz gehen, als Len sie zurück zog und fest an sich drückte. Er verstand selbst nicht, warum er das tat, aber irgendwas in ihm überwältigte ihn. Erschrocken wich Midori von ihm. „Äh, ja. Dann gute Nacht“, stotterte sie verwirrt und huschte zu ihrem Platz. Len blieb noch einen Moment enttäuscht stehen, dann legte er sich hin. Was die beiden nicht mitbekamen, Hina hatte sie belauscht. Hina schloss die Augen und dachte: „Ich hoffe das sie das bald einsehen werden.“ Dann schlief sie wieder ein.

Am nächsten Morgen war eine bedrückte Stimmung zwischen Midori und Len. Auch Karêg spürte das und er kannte seinen Sohn. Doch so verunsichert hatte er ihn nie gesehen. „Also dann mal los. Ihr könnt euch dort drüben im See waschen. In einer halben Stunde, wollen wir aufbrechen“, sagte Karêg mit bestimmender Stimme.

Midori ging als erste, denn sie wollte Len nicht sehen. Am See angekommen, legte sie ihre Kleidung ab. Als sie auf das Wasser zuging, rutsche sie am Ufer aus und plumpste ins Wasser. Dann schrie sie auf. Len rannte panisch zu ihr, um nachzuschauen was passiert war. Die anderen sahen ihm überrascht hinterher.

„Was ist denn mit dem Los?“, fragte Reiko. Karêg lächelte die Mädchen nur an und schwieg. Er wusste was mit seinem Sohn los war. Er hatte sich verliebt. Karêg war froh, das Len diese Erfahrung endlich machte.

Len kam schnaufend am See an. „Was ist passiert?“, fragte Len erschrocken.

Midori war dabei sich zu waschen und kreischte laut: „Dreh dich um du Spanner.“ Zum Glück hatte Midori sich umgedreht. Len drehte sich beschämt weg und wiederholte seine Frage. „Ich habe mich nur über das kalte Wasser erschrocken“, zischte Midori. Aber im Nachhinein fand sie es süß, wie Len sie umsorgte. „Bitte geh jetzt. Ich möchte mich wieder umziehen“, sagte Midori in etwas wütender Stimme.

Len zögerte nicht und ging zurück zum Lager. Dort angekommen grinsten ihn alle an.

Len blickte zu seinem Vater. Auch Karêg grinste und zwinkerte ihm zu. Len wurde rot, stapfte zu seinen Sachen und packte sie zusammen.

 

Kapitel 4 – Das Netz der Kupferspinne

Nachdem sich die anderen Mädchen gewaschen hatten, brachen sie wieder auf.

Den ganzen Weg, versuchten sich Midori und Len nicht anzusehen. Doch ab und an, riskierten sie einen Blick zum anderen. Dabei trafen sich ihre Blicke öfters. Doch jedes Mal sahen sie dann hektisch weg und taten so, als sei nichts gewesen. Hina bemerkte diese Spannung zwischen den beiden und gesellte sich zu Midori.

„Na du. Was ist los mit dir?“, fragte Hina grinsend. Natürlich wusste sie, was Midori bedrückte. Midori drehte ihren Kopf weg. „Nichts, wie kommst du darauf?“ Reiko und Hitomi waren weiter vorne bei Karêg und hörten die beiden nicht. „Ich habe euch gestern gehört“, flüsterte Hina und lächelte Midori an. Erschrocken blickte sie Hina an. Ob sie was sehen konnte? Midori hackte unwissend nach. „Ich weiß nicht was du meinst.“ Hina legte ihren Arm um sie und verriet: „Ich habe gesehen, das er dich umarmt hat. Ihr standet direkt im Mondlicht.“ Wieder wurde Midori ganz rot und stammelte: „Bitte sag es niemandem. Ich weiß nicht was ich machen soll.“ Midori war verzweifelt und kaute nervös auf ihren Lippen. Leicht zwickte Hina ihr in den Hintern. Darauf hin hörte Midori auf, ihre Lippen kaputt zu machen. Midori bemerkte es oft selbst nicht, wenn sie sich auf die Lippen biss. Sie war Hina sehr dankbar, das sie auf sie Acht gab.

Len beobachtete die beiden, wie sie sich unterhielten. Er dachte darüber nach, was er in der Nacht zuvor falsch gemachte hatte. Midori schien sich nicht für ihn zu interessieren, dachte er. Ob sie ihn gar nicht mochte? Die ganze Zeit grübelte Len, warum Midori so abweisend war. Midori hingegen hatte Angst mit Len zu sprechen. Sie würde sich doch nur blamieren dachte sie sich.

An einem großen alten Baum machten sie rast. Die Wurzeln des Baumes waren so dick wie manche der Bäume hier im Wald. Sie legten ihre Sachen nieder und die Mädchen setzen sich auf die Wurzeln. Reiko bemerkte langsam was mit Midori los war. Sie freute sich für sie, auch wenn sie selbst ebenfalls Interesse an Len hatte. Doch zwischen den beiden schien mehr zu sein. Sie spürte wie Len sie ansah. So erwartungsvoll und zugleich leidend. Hitomi peilte natürlich nichts. Das war nicht verwunderlich. Sie war immer die letzte die etwas Verstand. Fragend sah sie in Reiko’s Gesicht. Diese blickte zu Midori und grinste sie mit einem breiten Lächeln an.

„Sagt mal, was ist los mit euch?“, fragte Hitomi verwirrt und schaute zu Midori. Len und Karêg waren weiter weg von den Mädchen und hörten ihr Gespräch nicht. Das dachte sie zumindest. Len lauschte unbemerkt, ohne das sein Vater das merkte.

Reiko und Hina fingen an zu lachen. Sie lachten darüber, wie verpeilt Hitomi wieder einmal war. Doch Midori senkte nur ihren Kopf und stocherte mit einem kleinen Ast im Boden rum. „Du merkst auch nichts, Hitomi“, erwiderte Reiko. Dann ging sie auf Midori zu legte ihr die Hand auf den Kopf. Midori schaute wieder auf und legte den Ast auf Seite. „Midori ist verliebt, Hitomi“, verkündete Reiko stolz. Dann setze sie sich neben Midori und piekste sie in die Seite. „Wir lachen dich schon nicht aus. Schließlich war jeder von uns schon mal verliebt. Es gibt für alles das erste Mal“, munterte sie Reiko auf. Dann sagte sie die Worte, die Len ebenfalls hörte.

„Ja ich habe mich in Len verliebt.“ Diese Worte brannten sich tief in Len’s Verstand.

Dann erzählte Midori ihren Freundinnen, warum sie solche Angst davor hat, mit Len zu sprechen. Auch dies hörte Len sich an und bekam endlich seine ersehnten Antworten auf seine Fragen. Nicht nur er hatte Angst davor, seine Gefühle zu zeigen.

Nein auch Midori wusste nicht damit umzugehen. Dann riss ihn Karêg aus seinen Gedanken: „Len? Hast du mir zugehört?“ Len schüttelte den Kopf und sah in die grauen Augen seines Vaters. Karêg klopfte ihm auf die Schulter und lächelte.

„Du bist verliebt“, sagte Karêg fröhlich. Doch er spürte dass sein Sohn etwas bedrückte und hackte nach. „Erzähl, was ist dein Problem?“ Len ließ sein Blick in die Ferne schweifen und sprach ganz offen zu seinem Vater: „Ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll. Ich hatte noch nie solche Gefühle und das auch noch für ein Mädchen das ich kaum kenne. Sie scheint mich auch zu mögen, aber wie ich kann sie es mir nicht zeigen.“ Dann wandte er sich wieder zu seinem Vater. Verzweiflung konnte man in seinen Augen lesen. „Hmm. Du weißt, dass ich dich alleine aufgezogen habe. Deine Mutter starb ja bei deiner Geburt. Ich denke dass es dir schwer fällt, deine Gefühle zu zeigen, weil dir die emotionale Erziehung fehlt. Ich bin ebenfalls nicht gut in diesen Dingen. Ich habe dich zu einem jungen, reifen Mann erzogen, ohne daran zu denken, dass du später selbst mal eine Familie gründen willst. Aber sei stark und versuche dich zu überwinden. Denn Liebe sollte nicht geheim bleiben.“ Karêg sah in Len’s erwartungsvollen, grünen Augen. Sie funkelten ihn an als ob sie danke sagen wollen. Karêg verstand und nickte ihm zu.

Die Mädchen wurden still und dachten darüber nach, was sie erwarten könnte, auf dieser Gefährlichen Reise. Ob sie nur bis Mandir Ista müssen, oder reisen sie weiter? Es machte sie schon ängstlich und traurig, so weit weg von zuhause zu sein. Und sie dachten darüber nach, ob sie jemals wieder ihre Eltern treffen werden. Die vier kannten ihr Schicksal nicht, doch das würde sich bald ändern.

„So, wir müssen wieder aufbrechen. Es liegt noch die Hälfte der Strecke vor uns. Ich hoffe dass wir heute weit kommen“, spornte Karêg die Mädchen an. Dabei trafen sich Len’s und Midori’s Blicke. Len ließ sein Blick nicht von ihr Schweifen doch Midori wandte sich ab. Hina konnte das nicht mehr mit ansehen und schubste ihre Freundin direkt in Len’s Arme. Len fing sie gekonnt auf und sah in ihre Rubin roten Augen. Alle starrten sie an. Dann löste Midori sich schnell und beide husteten um ihre Beschämtheit zu unterspielen. „Danke“, sagte sie noch schnell, dann zogen sie weiter. Es war später Nachmittag und Karêg hoffte noch vor Anbruch der Dunkelheit am nächsten Lagerpunkt anzukommen. Er musste schließlich drauf achten, dass sie nicht in Gebieten gefährlicher Tiere ihr Lager aufschlugen. Karêg kannte die Wälder von Feeron wie seine Westentasche. Er war früher einmal der Späher der alten Königin von Anarya gewesen. Doch als sein Sohn geboren wurde, entließ ihn die Königin, weil sie nicht wollte, dass sein Sohn alleine aufwachsen sollte. Denn sie selbst hatte ihr Kind verloren und ertrug den Anblick verlassener Kinder nicht.

Mit der Dämmerung folgte die Nacht und ehe sie sich versahen war es dunkel geworden. Zum Glück erreichten sie den Lagerpunkt pünktlich. Er war mitten zwischen drei riesigen Bäumen die mit ihren Wurzeln eine Art Schutzwall bildeten. Karêg schnappte sich Reiko, Hina und Hitomi und ging mit ihnen Feuerholz sammeln.

Nun standen sie da. Len und Midori standen sich mehr oder weniger allein gegenüber. Midori war das alles wie immer sehr unangenehm doch Len machte zum Glück den ersten Schritt. Er ging auf sie zu und suchte einen ihrer Blicke. Doch Midori hielt den Kopf gesenkt und drehte ihren Kopf weg. Len fasste seinen Mut zusammen, hob die Hand und legte sie sanft auf ihr Gesicht. Midori sah erwartungsvoll auf und während sich ihre Blicke trafen verspürte Midori ein so starkes kribbeln das es schon fast wehtat. Dieser Moment gehörte nur ihnen und Len drückte Midori vorsichtig an seinen Körper. Sie erwiderte seine Umarmung doch nur kurze Zeit später wurden sie aus ihrem Glück gerissen. Karêg stand erschöpft und außer Atem vor ihnen und sagte mit besorgter Stimme: „Wir müssen sofort hier weg. Schnell packt eure Sachen und beeilt euch.“ Len und Midori verstanden nichts mehr. Es war stockfinster, wie sollen sie da was sehen. „Was ist den los Vater? Warum bist du so aufgebracht?“, fragte Len seinen Vater in dessen Augen er nur Angst sah. Karêg versuchte sich zu beruhigen doch er wusste dass sie sich beeilen mussten. „Wir sind mitten in das Gebiet der Kupferspinne geraten“, erzählte Karêg hektisch. Dann packte er Len und Midori am Arm und zog sie mit zu den anderen. „Die Kupferspinne ist eine Gefährliche schwarze Spinne, die so groß ist wie ein Haus. Ihre Augen sind giftgrün und sie ist das einzige Lebewesen, das sich nahezu lautlos fortbewegen kann. Wer einmal von ihrem Gift getroffen ist oder es abbekommt wird eines qualvollen Todes sterben. Es ist sehr ungewöhnlich, dass sie sich hier in Feeron aufhält. Ihre Heimat sind sumpfige Gebiete. Deswegen kam es mir auch nicht in den Sinn als du mir von den Augen erzählt hattest, Midori. Schnell, wir müssen uns beeilen. Wer weiß wie groß ihr Gebiet ist.“ Karêg war völlig aufgelöst. Zum ersten Mal wurde es wirklich gefährlich für sie und er dachte sofort an das Versprechen das er Awilyn gab. Die Mädchen mussten beschützt werden, koste es was es wolle. Und wenn es sein Leben hieß.

Karêg holte tief Luft und flüsterte: „Ich werde als erster gehen. Ihr Mädchen reiht euch hintereinander auf und Len geht zum Schluss. Seit leise und lasst uns hoffen, das sie nicht in der Nähe ist.“ Dann drehte er sich um und ging vorsichtig voran. Er musste jetzt seine ganze Aufmerksamkeit auf die Geräusche lenken. Das kleinste Geräusch, sofort bemerken. Wenn er auch nur einen kurzen Moment nicht aufpasste, konnte sie das ihr Leben kosten. Karêg hielt Hitomi, die als erste von den Mädchen ging, fest an der Hand. Dahinter Reiko, Hina und zum Schluss Midori. Die Mädchen mussten sich aneinander festhalten, weil sie fast nichts sehen konnten. Der Wald war zu dicht und er ließ nur gelegentlich ein paar Mondstrahlen durchscheinen. Len hielt sich dicht hinter Midori doch weil er ein Elf war, musste er sich nicht an ihr festhalten. Er konnte auch so genug sehen. Trotzdem blieb der Wunsch, einfach nach Midori’s Hand zu greifen, unerfüllt. Seine Scheu hielt ihn zurück. Außerdem war jetzt keine Zeit für so was. Man konnte Karêg’s schweren Atem hören und das zittern bei jedem Zug.

Nur er selbst wusste wie gefährlich diese Situation für sie war. Die Mädchen hatten zwar Angst, jedoch wussten sie nicht wovor. Sie kannten die Grausamkeit der Spinne nicht und somit nicht die Qualen die sie anrichten kann. Es war mehr die Angst vor dem Ungewissen die an den Nerven zerrte.

Nun waren sie schon die ganze Nacht durchgewandert und Erschöpfung machte sich bei den Mädchen breit. Karêg wartete nur darauf, dass die Sonne wieder aufging, denn die Kupferspinne jagte nur bei Nacht. Auch Len, der sich sonst nie etwas anmerken ließ, wurde langsamer. Es konnte nicht mehr lange dauern bis die Sonne aufging und Karêg trieb die anderen weiter. Und plötzlich hatten sie das Ende des Waldes erreicht. Karêg hatte daran gar nicht gedacht. Er wusste, als sie das zweite Lager aufschlugen, das sie schon über die Hälfte des Waldes durchquert hatten. Da sie die ganze Nacht wanderten, war das Ende des Waldes schnell erreicht. Karêg war erleichtert, denn das Gebiet der Kupferspinne würde hier enden. Hinter dem Wald lag offenes Land und dort hätte sie keine Möglichkeit sich zu verstecken. Sie hatten es geschafft. Vor ihnen lag ein weites Feld. Nichts war zu sehen nur am Horizont konnte man die Berge mit ihren weißen Spitzen entdecken.

Karêg und die anderen entfernten sich noch vom Wald um jedes Risiko eines Angriffes zu vermeiden. Nach kurzer Zeit kamen sie an einen Felsen und Karêg beschloss das Lager dort aufzuschlagen. Alle waren erschöpft und waren glücklich nun endlich schlafen zu können. Die Sonne war dabei aufzugehen und da Midori Sonnenaufgänge liebte, verschwand sie etwas weiter weg vom Lager um ihn zu beobachten. Midori fühlte sich wie zuhause und merkte wie sehr sie ihr altes Leben vermisste. Wer wusste schon, ob sie jemals wieder auf die Erde kommen würde. Ihre Mutter schien davon gewusst zu haben den ihre Umarmung war ein Abschied. Midori hoffte nicht für immer.

Mitten aufs offene Feld setzte Midori sich hin und blickte zur Sonne. Langsam erwärmte die Sonne ihr Gesicht und Midori schloss die Augen. Sie legte sich ins nasse Gras. Ihre Langen Haare saugten sich stellenweise mit dem Morgentau auf und die feinen kleinen Tropfen perlten ihr über die Haut. Dann bemerkte sie leise Schritte auf sie zukommen. Die Erde bebte leicht und das Gras raschelte. Midori öffnete ihre Augen. Len hatte sich über sie gebeugt und sah sie an. Dann fragte er schüchtern: „Darf ich mich zu dir setzen? Die anderen schlafen schon aber ich kann noch nicht schlafen. Keine Ahnung warum.“ Midori nickte ihm zu und während Len sich setzte, richtete sie sich wieder auf. Nasse Haarsträhnen klebten sich an ihren Körper. Ihr Rücken war durchnässt aber es war nicht kalt. Eine Weile lang schwiegen sie nur und schauten zur Sonne. Dann rückte Len näher an Midori und legte seinen Arm um sie. Erst errötete Midori doch dann versank sie langsam in seinen Armen. Sie legte ihren Kopf auf seinen Schoß und sah ihn an. Len hatte seine Haare zu einem Zopf gebunden. Nur einzelne Strähnen hingen raus und wurden ab und zu vom leichten Wind erfasst. Seine Augen waren strahlend grün und das erste Mal sah Midori Freude in seinen Augen. Dann schaute er sie an. Es schien als stünde die Zeit. Sanft strich Len über ihr Gesicht. Sein sonst so ernstes Gesicht, zeigte ein Lächeln das so herzlich war, wie das ihrer Mutter. „Sag mal Len, mir ist aufgefallen, dass alle Elfen, außer Awilyn lange Haare haben. Hat das einen Grund?“ Len’s Lächeln klang etwas ab. Er atmete tief ein und antwortete: „Ja das hat durchaus einen Grund. Wenn ein Waldelf sein Kind verliert, schneidet er sich die Haare ab. Sie wachsen dann nie wieder nach. Awilyn wurde das Kind bei der Geburt weggenommen, hat man mir erzählt. Sie tut mir Leid.“ Midori wusste das er von Hina sprach aber Len selbst wusste nicht wer Hina wirklich war. Er würde es früher oder später herausfinden, aber jetzt musste er es noch nicht wissen.

Midori merkte wie müde sie wurde. Sie erhob sich von Len’s Schoß und stand auf. Auch Len erhob sich und beide gingen zum Lager doch Midori konnte keine zwei Schritte gehen, da packte Len sie am Arm. Er zog sie zurück und drückte sie an sich, als wolle er sagen, verlass mich nicht. Midori erwiderte seine Umarmung und spürte wie schnell sein Herz pochte. Auch ihres pochte wie wild. Und auf einmal geschah es. Len drückte Midori ein Stück zurück, blickte ihr tief in die Augen und gab ihr einen zärtlichen Kuss. Seine Lippen pressten sich sanft auf ihre. Midori’s Wangen wurden warm und färbten sich leicht rosa. Ein warmer Schauer durchfuhr sie und ihr ganzer Körper fing an zu kribbeln. Dann lösten sich ihre Lippen wieder. Sie fühlten sich erleichtert. Leise gingen sie zum Lager und legten sich schlafen.

 

 

Kapitel 5 – Daleone und die grüne Stadt

Am nächsten morgen, war alles wie gewohnt. Midori und Len wollten ihre Zuneigung füreinander geheim halten. Auch der Kuss, sollte vorerst ihr Geheimnis bleiben. Das einzige, was Len änderte war, das er mehr mit den Mädchen redete. Er mochte sie und fand es immer amüsant wie sie sich untereinander behandelten. Er selbst hatte in Feeron keine Freunde. Len war schon von klein auf ein sehr schüchterner und ängstlicher Junge. Doch mit der Zeit wurde er immer verschlossener und versuchte keine Angst zu zeigen. Karêg war damals oft unterwegs und Len musste früh lernen für sich selbst zu sorgen. Wenn er jedoch mal nicht weiter wusste, konnte er immer zu Awilyn kommen. Sie behandelte ihn wie seinen eigenen Jungen. Awilyn war wie eine Mutter für ihn. Sie versuchte ihn immer zu schützen und dafür war er ihr bis heute immer dankbar.

Reiko und Hitomi fingen an, sich über ihre Situation Gedanken zu machen. Reiko vermisste ihre Eltern und ihren kleinen Bruder, auf den sie immer gerne aufgepasst hatte. Sie fragte sich, wie lange es wohl dauern würde, bis sie wieder zuhause sein könnte und was genau sie hier eigentlich macht. Über diese Gedanken sprach sie mit Hitomi, die zu ihrem erstaunen ähnliche Gedanken hegte. Die beiden hatten sich etwas abseits auf einen Stein gesetzt und redeten über ihre Gefühle.

„Ich habe echt Heimweh. Zuhause würde meine Mutter mich in den Arm nehmen und hier müssen wir mitten in der Nacht vor irgendeiner blöden Spinne davonlaufen. Diese Welt ist mir fremd und ich will verdammt noch mal wissen was wir hier eigentlich sollen. Ich mein, es kann sein das dies hier ein Abenteuer ist, aber ich würde lieber wieder in der Schule sitzen und mein altes Leben genießen“, sagte Reiko mit trauriger Stimme. Hitomi blickte betrübt in das nasse, grüne Gras und antwortete: „Ja mir geht es genauso. Ich finde das hier alles seltsam. Warum muss uns das passieren?“ Plötzlich ertönte Karêg’s Stimme von hinten. Erschrocken drehten sich die beiden um. „Ich denke ihr habt eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Awilyn spürte, das euch etwas verbindet und ich befürchte das hat was mit dem Krieg zu tun.“ Das tröstete die beiden keineswegs, im Gegenteil, es ließ ein Gefühl von Angst in ihnen zurück.

Währenddessen, plauderte Len mit Midori und Hina. Es war nichts Interessantes. Mehr so ein kennen lernen der Mädchen. Doch als Karêg sich zu ihnen gesellte, verstummte Len und verfiel wieder in seine stille Rolle. Karêg forderte die anderen auf, die Sachen zu packen und gab das Signal bald aufzubrechen. Als dann alle bereit waren, ging es weiter. Um den andren Mut zu machen sagte er: „Es ist nicht mehr weit. Wenn alles gut läuft, sind wir spätestens heute Abend in Mandir Ista angekommen.“ Die Mädchen waren erleichtert. Sie waren froh, die nächste Nacht in einem Bett verbringen zu können. Das spornte sie an und ließ sie schnell vorankommen. Sie machten nur kurz an einem kleinen Bach rast, um sich etwas frisch zu machen. Dann marschierten sie den ganzen Tag.

Am frühen Abend, erreichten sie endlich das ersehnte Ziel. Die Mädchen standen fassungslos vor der riesigen Stadt. Vor ihnen lag eine Stadt, erbaut um den größten Baum von Coiasira. Ein gigantisches Tor, verziert mit edlen Schnitzereien und Edelsteinen ließ sie vorerst nur von außen ahnen, wie riesig die Stadt war. Geduldig warteten sie während Karêg mit den Wachen sprach. Diese ließen sie gewähren, in die grüne Stadt, Mandir Ista. In der Stadt, überkam Hina ein Gefühl von unendlicher Wärme. Die Bäume und Pflanzen schienen mit ihr zu sprechen, so glaubte sie zumindest. Die Häuser in Mandir Ista, waren Stabiler gebaut, als in Feeron. Obwohl auch hier alles aus Holz bestand, waren die Dächer aus Lehm. Auch Türen gab es hier und verschließbare Fenster. Doch keine Technik und kein Strom. Alles was sie hier sahen, war die Natur. Der Baum war fast 500 Meter hoch. Man konnte kaum seine Spitze erkennen, weil seine Blätter fast die ganze Stadt in ein Schattenkleid hüllte. Deswegen waren die Elfen in Mandir Ista, blasser als die anderen.

Karêg führte die Mädchen zum Baum. Sie ahnten noch nicht, was jetzt auf sie zukam. Neugierig fragte Midori: „Sag mal Karêg, wo ist den nun der Palast? Wir müssen doch zu Daleone.“ Karêg schmunzelte und zeigte nach oben. Erstaunt sahen die Mädchen nach oben und erblickten in der Krone einen wunderschönen Palast. Sie waren fasziniert von der Schönheit. Überall waren Blüten und wie am Tor edle Schnitzereien und Edelsteine. Das Tor war aus den Tamika Bäumen gefertigt eine Baumart die für Festigkeit und ihren süßlichen Duft bekannt war. Das Tor war rot bräunlich und mit einem goldenen Rahmen verziert.

„Und wie kommen wir da nun hoch?“, fragte Midori voller Neugier. Ehe sie sich versahen kam eine Gondel mit einem bewaffneten Elfen hinunter gefahren. Es war wie in Feeron. Die Gondel wurde durch einen Flaschenzug Mechanismus betrieben.

Etwas grimmig schaute der Elf drein, doch bat Karêg und die anderen in die Gondel.

„Kommt. Eure Hoheit erwartet euch bereits.“ Hastig stiegen sie alle in die Gondel und fuhren hinauf zum Palast. Midori wurde mit jedem Meter immer schummriger, den sie hatte große Höhenangst. Panisch klammerte sie sich an Hina. Len hielt heimlich ihre Hand. In einem unbeobachteten Moment, warfen sie sich ein Lächeln zu.

Oben angekommen, wurden sie in den Palast gebracht. Den Mädchen blieb der Atem fast stehen. Alles war so prunkvoll und edel. An den Wänden waren goldene Kerzenhalter und der Boden bestand aus grauem Marmor. Egal wo sie hinsahen waren Ranken, Edelsteine und Gold. Im Palast duftete es herrlich nach frischen Blumen. Die Fenster mit seidenen Vorhängen bestückt.

Dann endlich kamen sie im Thronsaal an. Die Wachen führten sie hinein und verließen dann den Saal. Stille herrschte vorerst in dem großen Saal. Der Thron war mit einem Vorhang verdeckt. Ein bisschen unsicher sahen sich die Mädchen an. Was wohl passieren wird? Dann trat eine große, schlanke und wunderschöne Elfe vor den Vorhang. Ihre langen, glatten Haare waren in ein dunkles grün getaucht und ihr Teint war dunkel. Die strahlend blauen Augen zeigten Kälte. Ihr Blick war Furchtlos.

Doch blitzartig verwandelte sich ihr Blick in Herzlichkeit und Wärme. Sie fing an zu Lächeln. „Bitte tretet vor meine Lieben. Es freut mich dich wieder zusehen Karêg.“

Sie gingen nach vorne und Karêg kniete nieder. „Die Freude liegt ganz bei meiner Seite, eure Hoheit.“ Mit einer leichten Handbewegung forderte sie Karêg auf, aufzustehen. Dann ging sie auf ihn zu und umarmte ihn herzlich. „Es freut mich das du wohl auf bist. Und ich sehe du hast deinen Sohn mitgebracht. Ein schöner, junger Mann ist aus ihm geworden. Sag, ist es schon so lange her, als wir uns das letzte Mal sahen?“ Karêg nickte gemütlich. Dann zeigte er auf die Mädchen die schon ganz nervös waren. „Ich denke, du weißt wer sie sind. Awilyn erzählte mir die Geschichte. Nun möchte ich gerne wissen, was das alles auf sich hat.“ Daleone ging auf die Mädchen zu und verneigte ihren Kopf. „Ich weiß, ihr fragt euch sicher, warum ihn hier seid. Nun, ich möchte euch alles erklären. Aber zuerst lasst uns speisen. Bitte folgt mir in den Speisesaal.“

Sie folgten Daleone einen langen Flur entlang an deren Ende sich eine große goldene Tür erstreckte. Davor standen zwei Elfen in einer leichten Rüstung und einer großen, langen Lanze. Als sie Daleone erblickten, streckten sie ihren Rücken und standen kerzengrade. Ihre Blicke richteten sich auf den Boden. Midori und die anderen Mädchen fanden das schon seltsam, aber ihnen war die Kultur der Elfen auch nicht bekannt. Daleone war keine fünf Meter von der Tür entfernt, da klopfte einer der Wachen mit seiner Lanze auf den Boden und die Tür öffnete sich.

„Trete ein. Ihr müsst doch hungrig sein. Bitte, kommt herein und lasst uns speisen“, sagte Daleone mit warmherziger Stimme. Dann betraten alle den großen Speisesaal. Midori kam aus dem staunen nicht mehr raus. Der Tisch war mindestens sieben Meter lang und auf dem ganzen Tisch waren die Speisen und Getränke verteilt. Es war so viel, davon hätten locker dreißig Leute von satt werden können. Am Ende des Tisches war ein prunkvoller, mit gold verzierter Stuhl mit hoher Rückenlehne. Höchst wahrscheinlich der Platz von Daleone. An den Wänden waren Gemälde alter Elfen und prachtvollen Landschaften. Steinsäulen die wohl möglich nicht nur als Zierde dienten waren entlang der Wand erbaut. Neben ihnen Statuen märchenhafter Wesen wie Einhörner oder Feen. Es war für Midori nicht zu verstehen. Und während sie ihren Blick durch den riesigen Saal streifen ließ, dachte sie darüber nach, wie einsam Daleone wohl in diesem Palast sein müsse. Auch wenn dieser Palast wunderschön sei, würde Midori sich hier verloren fühlen. Sie schwelgte in Erinnerung an ihre Heimat, doch da riss sie Len wieder in die Realität, nach Coiasira. „Komm, lass uns setzen“, flüsterte er ihr zu. Ein sanftes Lächeln schob er ihr zu. Dann nahmen alle platz.

Die Mädchen mussten erstmal schlucken, als sie das Essen betrachteten. Es roch himmlisch, aber nichts davon sah aus wie auf der Erde. Dann erhob sich Daleone und sagte: „Nun lasst uns beginnen. Seid nicht skeptisch meine Kinder. Probiert alles und wenn euch etwas nicht schmeckt, legt es weg und probiert was anderes. Diese Speisen unterschieden sich nur vom äußeren her, den Speisen der Erde. Der Geschmack ist fast genauso. Nun greift zu und lasst es euch schmecken.“ Daleone nahm sich etwas von einem großen goldenen Teller. Es ähnelte einem Hühnchen. Dann setzte sie sich wieder und aß. Hitomi und Reiko fackelten nicht lange und probierten sich auf gut Deutsch, einmal quer durch die Speisekarte und schnell fanden sie heraus, was ihnen schmeckte. Hina und Midori hingegen, sahen sich skeptisch an. Aber Hina fasste sich ans Herz und fing auch an, zu probieren. Als sie etwas Passendes gefunden hatte, sah sie zu Midori und sagte mit vollem Mund: „Hier das musst du probieren. Das schmeckt wie Kartoffel. Midori nahm vorsichtig ein bissen und war begeistert. Es schmeckte tatsächlich wie eine Kartoffel. Midori war nicht mehr aufzuhalten und mampfte was das Zeug hält. Daleone amüsierte sich prächtig als sie die Mädchen beobachtete. Doch ihre Freude war nur von kurzer Dauer, denn der Gedanke, Coiasira könnte bald in Dunkelheit versinken, ließ sie nicht los. Nun war der Zeitpunkt gekommen, mit den Mädchen zu reden.

„Also meine Kinder“, sprach Daleone mit bestimmender Stimme. Alle hörten sofort auf zu essen und lauschten ihren Worten. „Wie ihr wisst, habe ich euch hier nach Coiasira geholt. Ich habe dies getan, weil ich keinen anderen Ausweg mehr sah.

Coiasira ist im Krieg und das haben wir Saladir zu verdanken, dem Herrscher von Tarion, dem dunklen Reich. Ich selbst, habe den Anfang nicht als Herrscherin miterlebt, sondern als normale Bürgerin von Feeron. Vor meiner Zeit, war Awilyn die Herrscherin von Anarya. Sie erzählte mir, das Saladir sie verführt habe. Ohne zu ahnen wer er wirklich sei, verfiel sie ihm und wie ihr bereits wisst, ist Teleria das Ergebnis. Awilyn hat starke magische Kräfte und auch Teleria verfügt über solch enorme Kräfte, das Saladir alles versuchen wird um sie zu finden und zu töten. Denn er selbst war es, der euch alle auf die Erde brachte und das Portal versiegelte. Aber nicht nur Teleria wurde hier geboren. Ihr vier seid alle Kinder von Coiasira. Ich selbst weiß leider nicht, wer eure Mütter sind, vermag ich es doch zu ahnen. Aber eine Frau weiß genau, wer ihr seid und welches Schicksal euch bestimmt ist. Man nennt sie das Orakel von Hyanda. Hyanda war eine magische Stadt, hoch in den Bergen. Dort lebten die Mondelfen die für ihre reine Seele bekannt waren. Der Mond war ihre Energiequelle und versorgte die Stadt mit Energie. Dort lebten alle friedlich und auch jene, die verstoßen wurden, fanden in Hyanda eine neue Heimat. Das Oberhaupt der Stadt war eine wunderschöne Elfe mit blau, glänzendem Haar. Ihre Augen waren so klar, dass man seine eigene Seele dort wieder fand. Doch eines Tages, kam Saladir’s  Armee von schwarzen Drachen und brannte die Stadt nieder. Nefilia, das Oberhaupt, hatte aber ein Bündnis mit Hyanda geschlossen. Sie und die Mondelfen nahmen keinen Schaden, weil Hyanda selbst sie tief in der Berg einschließ. Auch nachdem die Schlacht vorbei war, war immer noch Energie vorhanden und Hyanda öffnete ein Portal was die Mondelfen an den Fuß des Berges brachte. Nefilia jedoch, dachte es wäre ihre Schuld gewesen und ließ ihr Volk zurück. Nun lebt sie hier in Mandir Ista. Sie hat die Fähigkeit, einem in die Seele zu sehn und zu sagen, welches Schicksal dir bevorsteht. Sie wird euch sagen, wer ihr seid.“

 

Kapitel 6 – Das Orakel

Die Mädchen waren schockiert, was sie alles gehört hatten. Besonders Hina musste erstmal schlucken. Sie soll magische Kräfte haben? Sie würde in großer Gefahr schweben? Aber nicht nur diese Gedanken ließen sie zittern, auch der Gedanke ihren Freundinnen könnte ein gleiches Schicksal bevor stehen. Den Hina war nicht dumm, sie konnte sich schon denken, dass auch Midori, Reiko und Hitomi etwas mit diesem Krieg zu tun hatten. Weshalb sonst, hatte Daleone sie hier her geholt.

Midori die direkt neben Hina saß, packte unbemerkt ihre Hand. Hina merkte wie ängstlich Midori war. Sie lächelte sie an und flüsterte: „Keine Angst. Ich werde dich immer beschützen.“ Midori war im ersten Moment erleichtert, doch dann dachte sie daran, das Hina etwas passieren könnte. Ihre Angst war zu groß und auf einmal rannte sie panisch aus dem Saal. Verdutzt sah Karêg ihr hinterher und forderte Len mit einem Nicken auf, ihr zu Folgen. Daleone verstand Midori’s Angst. Sie kannte es nur zu gut, in der Angst zu leben, einen geliebten Menschen zu verlieren.

Len rannte hinter Midori her. „Warte Midori. Bitte bleib doch stehen.“ Doch sie lief weiter und machte erst halt, als sie draußen angekommen war. Traurig schaute sie über das Land. Alles schien so friedlich. Midori konnte sich ihre Tränen nicht verkneifen. Immer wieder musste sie daran denken, wie gefährlich das hier alles sei und wie gern sie wieder zuhause wäre. Len stellte sich hinter sie und umarmte sie fest. Er wollte ihr signalisieren, dass sie nicht alleine war. Er wollte gerade sagen, dass er auf sie aufpassen wird, da unterbrach sie ihn schlagartig: „Nein! Sag das nicht. Ihr sollt nicht für mich sterben. Weder du noch Hina noch irgendjemand sonst.“ Tränen der Wut und der Angst glitten über ihre erhitzen Wangen. Sie schnaufte und schluchzte und plötzlich brach sie zusammen. Len fuhr der Schreck durch die Glieder und rief panisch um Hilfe. Er hob sie hoch und trug sie auf den Armen ins Schloss. Daleone, Karêg und die Mädchen bemerkten den Lärm und rannten hektisch und nervös dem Lärm entgegen. Als Hina Midori erblickte lief sie auf sie zu und funkelte Len böse an. „Was hast du mit ihr gemacht?“ Hina war eigentlich nur wütend auf sich selbst, weil sie nicht da war als Midori sie brauchte. Daleone öffnete eine Seitentür und forderte Len auf, ihr zu folgen. Dann zeigte sie auf ein Bett welches in dem Zimmer stand und Len legte Midori sachte in das weiche Bett.

„Los, bringt mir den Heiler. Bringt mir Jaharel. Beeilt euch“, befehlte Daleone ihren Wachen. Hina setze sich aufs Bett und versuchte ihre Wut abzubauen. Vorsichtig strich sie ihr übers Gesicht und mit Tränen in den Augen wisperte sie: „Es tut mir Leid. Es tut mir alles so Leid. Du bist nicht so schwach wie du immer tust. Aber du bist die einzige die ich habe. Bitte lass mich nicht allein.“ Und dann stand ein kleiner, alter Mann hinter ihr. Seine Elfenohren waren kaputt, so als hätte man sie abgeschnitten und sein weißer Bart ging fast bis zum Boden. Seine Falten waren tief und in seinen Augen erkannte man den Schmerz, den man ihm vor vielen Jahren zufügte.

„Bitte geh zu Seite mein Kind“, sagte er mit warmer, tiefer Stimme. Hina nickte langsam und entfernte sich vom Bett. Dann wies der alte Mann alle auf, den Raum zu verlassen. Noch einen letzen Blick warf Hina ihr zu, dann schloss sich die Tür.

Geduldig warteten alle darauf, dass sich die Tür wieder öffnete. Len schwirrten noch immer Hina’s Worte im Kopf und er fühlte sich schuldig. „Es tut mir Leid, Hina“, sagte Len. Doch Hina schüttelte den Kopf und sah ihn an. „Nein, mir tut es Leid. Ich hätte die nicht so anfahren sollen. Es war nicht deine Schuld, das Midori zusammen gebrochen ist. Ich weiß, dass du sie genau wie ich, nur beschützen willst. Doch ich befürchte sie selbst hat Angst, einer von uns könnte bei dem Versuch sie zu schützen, sein Leben verlieren. Das will sie verhindern und glaub mir, sie ist nicht so schwach wie wir es vermuten.“

Die Tür öffnete sich und der Heiler trat heraus. Er machte einen recht zufriedenen Eindruck. „Habt keine Angst. Ihr geht es gut. Sie hat sich nur überanstrengt. In ein paar Tagen kann sie das Bett verlassen“, sagte er mit ruhiger Stimme. Dann zog er von dannen. Alle atmeten erleichtert aus. Wie kleine Ameisen umlagerten sie Midori die bereits aufgewacht war. Hina setzte sich neben sie aufs Bett und blickte ihr in die Augen. Dann nahm Midori ihre Hand und zog sie zu sich ran. Leise flüsterte sie: „Ich lass dich nicht allein.“ Hina musste sich weitere Tränen verkneifen, wenn gleich ihr das sehr schwer fiel. Noch etwas schwach nahm Midori, Hina in den Arm. Nach einigen Sekunden der Warmherzigkeit, lösten sich die beiden wieder und die anderen fingen an ihr Fragen zu stellen. „Was hast du nur wieder gemacht?“, fragte Reiko besorgt. Doch Midori musste nur grinsen. „Es war halt alles zu viel für mich. Sorry das ich euch Sorgen gemacht habe.“ Len stand etwas verloren neben Karêg und wusste nicht so recht, wie er sich verhalten sollte. Dann ergriff Daleone das Wort. „Ich möchte euch bitten, im Speisesaal auf mich zu warten. Bitte lasst mich einen Moment mit Midori allein.“ Alle nickten und verließen den Raum. Daleone begab sich zu Midori und ließ sich auf dem Bett nieder. Gutmütig sah sie ihr in die Augen. „Ich sehe große Stärke in dir. Ich weiß, dies hier ist alles unbegreiflich und fremd, doch wirst du bald erkennen das dies deine Heimat ist. Du selbst glaubst nicht dass du stark genug bist, das alles durchzustehen, aber in dir, sehe ich mehr Stärke, als ich in irgendjemand jemals gesehen habe. Damit meine ich nicht nur deine Mentale Stärke. Deine Kräfte, überragen bei weitem der meiner und auch der Saladir’s. Du und die anderen, ihr seid was ganz besonderes. Ihr seid die Auserwählten, die Coiasira beschützen werden.“ Midori nickte entschlossen. Ihr war nun klar, dass sie nicht weglaufen kann. Es würde nichts bringen sich zu verstecken. Bald würde es keinen sicheren Ort mehr geben, wenn sie sich nicht ihrem Schicksal stellen würde. Daleone strich ihr über die Hand und verließ dann den Raum.

Drei Tage waren vergangen und Midori fühlte sich wie neu geboren. Sie sprang aus dem Bett und rannte nach draußen, um die frische Luft einzuatmen. Der Wind durchströmte ihren ganzen Körper und der herrliche Duft der Blumen ließ ihr Herz in Freude schlagen. Nach dem kurzem Augenblick der Freiheit, fing sie an die anderen zu suchen. Doch nirgends eine Spur. Midori ging zu Daleone und fragte neugierig: „Sag mal, wo sind die anderen denn alle hin?“ Gespannt wartete sie auf eine Antwort. „Die sind unten in der Stadt und kaufen ein paar Sachen. Beeil dich, sie sind noch nicht lange weg“, antwortete ihr Daleone. Hastig rannte Midori zum Aufzug und ließ sich nach unten fahren. Doch ihr war nicht klar, wie groß Mandir Ista war. Denn unten angekommen, bemerkte sie, dass sie keinen Plan hatte, wo sie sein könnten. Dem Elf der Midori runter gefahren hatte fiel ihre Unsicherheit auf und erzählte ihr, die anderen wollten zum Waffenschmied Gerlon. Kurz und knapp erläuterte er ihr den Weg und fuhr dann wieder hinauf.

„Hmm. Gut. Also dann versuch ich mal mein Glück. So schwer wird’s schon nicht sein.“ Schnell bemerkte sie, dass es weniger schwer war den weg zu finden, als nicht aufzufallen. Die Elfen schauten ihr nach und bemerkten das Midori nicht aus Mandir Ista kam. Das war hier nicht gern gesehen und als sie ihrem Ziel so nahe war, blockierten ihr zwei dürre und schlaksige Elfen den Weg. „Eh. Was machst du hier?“, pöbelte der eine. Midori bekam es mir der Angst zu tun. Auch die umherlaufenden Elfen wurden hellhörig und blieben stehen. Plötzlich packte der eine Midori an der Schulter da erklang es von hinten: „Das würde ich an deiner Stelle nicht tun.“ Alle drehten sich um und da stand Karêg. Die beiden schlaksigen Elfen traten zurück. „Karêg. Was für eine Überraschung. Wir wussten nicht das sie zu dir gehört.“ Mit starrem Blick sah er den beiden in die Augen. Die Schweißperlen liefen ihnen übers Gesicht. Ihr Herz fing an zu rasen. Karêg war in ganz Mandir Ista bekannt, als der Krieger ohne Furcht. Er verzog nie eine Mine im Kampf. Schon einige Gegner machten dadurch verheerende Fehler und ließen ihr Leben. „Ich hab euch gesagt, ihr sollt Frauen und Kinder zu frieden lassen. Ihr spielt euch auf wie die Helden dieser Stadt, dabei seid ihr es gewesen, die angsterfüllt davongelaufen sind als wir angegriffen wurden. Und nun verschwindet. Ich will euch nicht mehr sehn, ihr Feiglinge.“ Ruckartig rannten die beiden davon. Die schaulustigen Elfen gingen weiter und Midori fiel ein Stein vom Herzen. Erleichtert rannte sie auf Karêg zu und umarmte ihn. „Ich danke dir Karêg“, sagte sie fröhlich. Karêg fühlte eine Wärme, wie nur ein Vater sie kannte. Er sah die Mädchen schon fast wie seine Töchter so sehr waren sie ihm ans Herz gewachsen. Len beobachtete die beiden, wurde eifersüchtig und bemerkte Wut in sich aufkochen. Er versuchte diese Gefühle zu unterdrücken.

Dann ging er auf die beiden zu. „Da seid ihr ja. Los komm Papa, Gerlon ist da.“ Ohne Midori zu beachten zog er Karêg in den Laden. Midori war verdutzt, doch folgte den beiden schnell.

Drinnen warteten schon Hina, Reiko und Hitomi und als Midori rein kam, stürmten sie freudig auf sie zu. Dann fragte Hitomi neugierig: „Was wollen wir den nun hier?“ Karêg wechselte kurz ein paar freundliche Worte mit Gerlon, dann wendete er sich zu den Mädchen. „Da wir bald eine lange Reise machen werden, möchte ich, dass ihr eure eigene Waffe bekommt. Ich kann nicht ständig bei euch sein, deswegen müsst ihr lernen, euch selbst zu schützen. Gerlon ist ein alter Freund von mir und ist mir noch was schuldig. Er wird mit jeder einzelnen von euch eine Waffe aussuchen, die auf euch abgestimmt ist. Natürlich kostenlos.“ Die Mädchen tuschelten untereinander doch fanden es richtig spannend, eine eigene Waffe zu besitzen. Gerlon räusperte sich und sprach: „Seid gegrüßt meine lieben. Wie ihr bereits wisst, nennt man mich Gerlon. Ich bin seid vielen Jahren Waffenschmied und mache meinen Beruf mein größter Sorgfalt. Doch bevor ich mit euch eine Waffe aussuche, wird das Orakel im hinteren Zimmer, mit jeder von auch einzeln reden. Wenn ihr magische Fähigkeiten besitzt, kann ich so die perfekte Waffe für euch suchen. Also los wer will zuerst?“ Zögerlich trat Hitomi nach vorne. Gerlon öffnete einen blauen Vorhang und deutete Hitomi den Weg. Langsam schritt sie in das verdunkelte Zimmer welches nur von vier Kerzen erhellt wurde. Im Lichtschein erkannte sie eine alte Elfin.

„Nimm Platz, Meldis.“ Verwundert setzte sich Hitomi auf ein weiches, gelbes Kissen auf dem Boden. „Wieso nennt ihr mich Meldis, verehrtes Orakel?“, fragte Hitomi wissbegierig. „Nun, weil dies dein Name ist mein Kind. Dein Name ist Meldis, Kind von Iscoron, der Herrscherin von Isilya, dem Feuerreich. Deine Kräfte liegen im Feuer. Das Feuer ist eine mächtige Waffe. Sieh dich vor das du dich nicht verbrennst.“

Nachdenklich verließ Hitomi das Zimmer. Sie ging auf die Mädchen zu und erzählte es ihnen. Dann ging Hitomi zu Gerlon. Gerlon hörte Hitomi aufmerksam zu und griff intuitiv nach einem langen Stab mit roten, flammenähnlichen Klingen am Ende. In der Mitte der Klinge befand sich ein blau schimmernder Lapislazuli.

„Die ist der Stab des blauen Phönix. Er bündelt deine Kräfte in diesem Stein und feuert einen gewaltigen Feuerstrahl auf deine Gegner. Natürlich wie alle Waffen ist er mit Magie kompatibel. Du kannst jeden erdenklichen Zauber mit ihm ausführen.“ Stolz überreichte Gerlon ihr den Stab. Hitomi griff selbstbewusst nach dem edlen Stück und präsentierte es den anderen. Midori und Reiko wurden neidisch und stritten sich darum, wer als nächstes zum Orakel durfte. Doch Midori überließ Reiko den Vortritt. Das ließ sie sich nicht zweimal sagen und ging ehrfürchtig hinein.

Das Orakel bat sie platz zu nehmen und begann: „Ahh. Ich grüße dich Liloe.“ Neugierig hörte Reiko ihr zu. „Mein Name ist also Liloe?“ Sanft und gemütlich nickte ihr das Orakel zu. „Allerdings. Da gibt es keinen Zweifel. Du bist die Tochter von Odania. Sie herrscht über Alduya dem Reich des Windes. Dies ist auch deine Kraft. Du beherrscht den Wind, aber gebe Acht, das du nicht abhebst.“ Ganz aufgeregt stürmte Reiko hinaus und verkündete alles. Sie stand erwartungsvoll vor Gerlon. Dieser überreichte ihr zwei große Fächer. „Hier, für dich. Das sind die Fächer der sieben Winde. Der Wind den du damit erzeugst, ist so scharf wie die Klinge eines Schwertes.

Für diese Waffe musst du schnell und geschickt sein.“ Reiko war zuerst skeptisch, doch gewöhnte sich schnell an den Anblick und konnte es kaum erwarten sie zu testen. Midori explodierte vor Neugier und lief hektisch zum Orakel.

„Hallo liebes Orakel. Bitt erzähl mir, wer ich bin. Ich wüsste nur zu gern, wer meine Mutter ist.“ Das Orakel erschrak als sie Midori sah. „Du meine Güte“, murmelte sie. Midori wurde immer Neugieriger: „Was ist denn?“ Langsam wegen ihres Alters rückte sie näher an Midori und schnappte sich ihre Hand. Diese schreckte zurück und sah verwundert in die tiefblauen Augen der alten Elfin. „Du bist eine Mondelfin, Floriel. Ein Kind meines alten Volkes. Wie ich sehe bist du Mandara ihr Kind. Soweit ich weiß, hat sie zusammen mit den anderen meines Volkes die Stadt Alu Cuamin erbaut. Die Hauptstadt von Elenya dem Reich des Wassers. Deine Kräfte beziehen sich auf das Wasser, doch ich sehe dass deine Kräfte sehr stark und nur schwer zu bändigen sind. Bitte pass auf das du nicht in den Fluten untergehst.“ Dann rückte das Orakel wieder auf ihren Platz zurück. Sanft nickte sie Midori zu die völlig sprachlos das Zimmer verließ. Auch Gerlon war erstaunt das zu hören. Doch da er die Mondelfen sehr gut kannte, wusste er genau welche Waffe die richtige sei. Er holte einen wunderschönen roten Bogen hervor, der im Licht blau glänzte. Verziert mit blauen Perlen die wie Wassertropfen aussahen. „Mondelfen sind sehr gute Bogenschützen. Deswegen gebe ich dir den Bogen der goldenen Nymphe. Einer Legende zufolge, war sie die einzige die nie ein Ziel verfehlte und ein Apfel in zweihundert Meter Entfernung direkt in der Mitte durchbohrte. Sogar Wasser konnte sie mit ihren Pfeilen spalten. Ihre Schüsse waren gefährlich und tödlich.“ Midori war sich nicht sicher ob sie damit umgehen könnte, doch versuchen wolle sie es unbedingt.

Zum Schluss schritt Hina, die schon mehr über sich erfahren hatte als die anderen, in das Zimmer. Das Orakel nickte ihr freundlich zu. „Ich sehe du kennst deinen Namen bereits, Teleria. Auch deine Mutter ist dir bekannt. Ich selbst kenne Awilyn noch aus jungen Jahren, als sie noch Herrscherin über Anarya war. Du siehst ihr sehr ähnlich. Dieselben mutigen Augen und das Herz am rechten Fleck. Du versuchst stark zu sein und deine Liebsten zu schützen. Es fällt dir schwer, allein zu sein. Du kannst dir sicher denken, dass deine Kräfte die, der Erde sind. Du beherrscht die Natur. Nicht nur Pflanzen können dir gehorchen, auch Tiere werden auf deiner Seite stehen. Aber ich sag dir eins, wenn du weiter den Beschützer spielst, werden dich die Wurzeln in die Einsamkeit ziehen.“

 

Kapitel 7 – Nella und die Magie

Ohne eine Mine zu verziehen, trat Hina vor Gerlon. Sie erklärte ihm, ihre Kräfte jedoch verschwieg sie ihm die Warnung, die das Orakel ihr sagte. Die anderen hatten es auch nicht getan. Gerlon zögerte etwas, doch dann griff er nach einem dünnen, langen Schwert auf dessen Klinge goldene Zeichen eingraviert waren.

„Nun zum Schluss, überreiche ich dir das Schwert des goldenen Tempels. Der goldene Tempel liegt in Valanya, dem Königreich des Lichtes, tief in der Erde. Nur Auserwählte können diesen Tempel betreten. Die Mönche dieses Tempels, schmiedeten dieses Schwert für eine Kriegerin deren Name man nicht kannte. Die Zeichen auf dem Schwert stehen für Mut, Kraft und Loyalität. Das letzte Zeichen, ist bis heute nicht entziffert. Nur die Mönche kennen ihre Bedeutung. Und nun nimm es und werde eine gute Schwertkämpferin.“ Hina schnappte sich das Schwert und stellte sich zu den anderen. Karêg erfüllte es mit Stolz, die Mädchen so mutig mit ihren Waffen zu sehen. Da keine von ihnen jemals eine Waffe in der Hand hatte, entschloss sich Karêg sie zu trainieren. Doch als sie gerade die Schmiede verlassen wollten, sagte Len: „Vater, kann ich auch ein neues Schwert haben? Ich habe lange dafür gespart.“ Karêg blieb einen Moment stumm, dann klopfte er ihm auf die Schulter: „Na gut. Da du uns auf dieser Reise begleiten wirst, sollst du auch ein vernünftiges Schwert haben. Hast du denn schon eins ausgesucht?“ Len nickte eifrig und ging dann auf Gerlon zu. Als er vor ihm stand zeigte er entschlossen auf ein Schwert mit breiter Klinge, welches hoch oben auf einem Regal lag. „Ich sehe du hast ein gutes Gespür für Schwerter“, sagte Gerlon und holte das Schwert hinunter. „Weißt du wem dieses Schwert einst gehörte?“ Len blickte etwas eingeschüchtert in Gerlons klaren Augen. Dann schüttelte er den Kopf und gab ihm zu verstehen ihm die Geschichte zu erzählen. „Dieses Schwert gehörte einem großen Krieger. Sein Name war Jaron. Er war einer der wenigen Menschen die sich entschieden in Coiasira zu bleiben. Seine Taten waren überall bekannt. Man munkelt dass sogar Saladir Angst vor ihm gehabt habe. Doch er ließ sein Leben für die Liebe. Für seine Geliebte ging er in den Heldentod. Weißt du, nicht du hast dir das Schwert ausgesucht. Nein, das Schwert hat dich erwählt. Du hast ein großes Schicksal vor dir mein lieber Len.“ Karêg’s Blick füllte sich mit Angst. Diese Worte bereiteten ihm große Sorge.  Sein Sohn war alles was ihm seit dem Tod seiner Frau geblieben war.

Len wollte gerade sein Beutel mit dem Gold hervorholen, da wies ihn Gerlon zurück. „Schon gut. Ich kann dein Geld nicht annehmen. Karêg ist mein bester Freund. Sieh es als Geschenk an. Außerdem hat dich das Schwert erwählt. Es war also nicht deine Entscheidung.“ Len verneigte sich doch es war ihm unangenehm das Schwert anzunehmen. Gerlon lächelte und gab ihm die Hand. Dann verließen alle die Schmiede. Draußen verkündete Karêg seinen Plan, die Mädchen zu unterrichten. Ein bisschen unsicher stimmten sie dem zu. Sie konnten sich noch nicht vorstellen, mal mit diesen Waffen zu kämpfen. Überhaupt das Wort „kämpfen“ gefiel ihn gar nicht. Es bedeutete Gefahr und davor wollten sie sich so weit es geht schützen. Doch es war schon Abend geworden und Karêg beschloss, zurück ins Schloss zu gehen.

Daleone erwartete sie bereits mit dem Abendessen. Ein wenig stolz schaute sie den Mädchen beim essen zu und wie sie sich mit ihren Waffen vertraut machten. Doch auch eine gewisse Furcht spiegelte sich in ihren Augen. Die Mädchen ahnten ja nicht, wie groß die Gefahr ist. Besonders die bevorstehende Prüfung die sie nach dem Training erwartete. Doch Daleone beschloss den Mädchen noch nichts davon zu erzählen. Sie wollte sie nicht verunsichern. Nach dem essen ging Len nach draußen und Midori entschied ihm zu Folgen. Seit sie in der Schmiede waren, hatte Len kein Wort mehr mit ihr gesprochen. Als sie nach draußen kam. Saß Len auf einer Stufe und blickte in den Sternenhimmel. In seinen Augen sah sie Wut. Langsam, näherte sie sich doch Len hatte sie bereits gehört und sich umgedreht. Vorsichtig fragte sie: „Darf ich mich zu dir setzen?“ Doch sein Blick verriet dass es ihm gar nicht recht war. Trotzdem rückte er ein Stück zur Seite. Sanft ließ Midori sich nieder. Len blickte Stur nach vorne. Kein einziges Mal schaute er sie an. Midori hingegen sah ihn unaufhörlich in die Augen. Sie musste jetzt wissen was los war. „Warum bist du so abweisend zu mir? Was habe ich dir getan?“ Doch Len schwieg. Nicht mal einen Blick schenkte er ihr. Eine ganze Weile harrten sie so aus, dann stand Midori verbittert auf und ging hinein. Während sie sich in ihrem Zimmer in den Schlaf weinte, saß Len immer noch draußen und blickte weiter nach vorn. Nach einiger Zeit kam Hina und stellte sich hinter ihn. „Was hat sie dir getan das du sie so schlecht behandelst?“ Wut kochte ihn Len auf. Er stand auf und sagte mürrisch: „Ach du hast doch keine Ahnung.“ Dann rempelte er sie an und ging auf sein Zimmer. Hina hingegen war baff und stand noch einen kurzen Moment verdutzt da. Dann ging auch sie in ihr Zimmer.

Len starrte auf sein neues Schwert. Es sah nicht besonders edel aus, doch spürte er die starke Aura die es umgab. Ihm ging die Geschichte durch den Kopf. Er fragte sich, ob ihm das gleiche Schicksal blühte. Ob er für die Liebe sterben würde. Dann dachte er an Midori. Doch bevor er einen guten Gedanken hegen konnte, sah er das Bild vor Augen, wie Midori, Karêg umarmte und seine Wut kam wieder hervor. Das Gefühl der Liebe war im nicht so sehr bekannt, wie das Gefühl seinem Vater gegenüber. Langsam fielen ihm die Augen zu. Er legte sein Schwert neben das Bett und legte sich schlafen. 

In der Nacht plagten ihn starke Alpträume. Er träumte von einem fremden Ort. Es war ein Wald und inmitten des Waldes stand ein kleiner Schrein. Die Bäume waren so dicht das nur ein kleines Loch über dem Schrein etwas Licht hineinbrachte. Genau dort sah Len, wie sein Vater von einem Schwert durchbohrt wurde. Er sackte zu Boden und sah ihn mit leeren Augen an. Len schrie und weinte und versuchte zu seinem Vater zu laufen, doch irgendwas hielt ihn fest. Dann wachte er auf. Schweiß bedeckt saß er aufrecht im Bett. Panisch sah er sich um. Niemand da. Kein Wald. Er war in seinem Zimmer. Alles nur ein Traum dachte er. Er legte sich wieder hin. Eine Zeit lang dachte er noch an den Traum. Dann schlief er wieder ein.

Am nächsten Morgen weckte Karêg die Mädchen schon ganz früh. Er rechnete nicht damit, dass sie heute schon große Ergebnisse erzielten. Verschlafen zogen sie ihre Klamotten an und machten sich zusammen mit Karêg auf den Weg zu einer Wiese außerhalb von Anarya. Am Anfang eines Waldes hielten sie an.

„So. Da sind wir. Ich werde nun jedem einzelnen zeigen, wie seine Waffe funktioniert und wie man sie einsetzt. Wie ihr bereits wisst, habt ihr magische Fähigkeiten. Hitomi’s und Reiko’s Waffen bringen mehr Schaden wenn sie mit Magie verwendet werden. Deswegen habe ich eine Magierin hier hin bestellt. Sie wird euch zeigen, wie ihr eure Magie einsetzt. Bis sie hier ist, werde ich mich erstmal um Midori und Hina kümmern und euch zeigen wie ihr eure Waffen nutzt. Also gut, fangen wir an.“

Reiko und Hitomi setzten sich auf einen Baumstumpf und sahen vom Rand aus zu.

Gespannt warteten Midori und Hina auf die Anweisungen. „Ich fange mit dir an Midori. Zuerst lernst du den Bogen richtig zu halten. Ich habe dir Finger und Armschutz mitgebracht.“ Er reichte ihr ein Handschuh der an Ring und kleinem Finger offen war und ein aus Leder gefertigter Armschutz. Karêg zeigte ihr, wie man es anzieht und dann fuhr er fort: „Also. Nun nimm deinen Bogen. Ich zeige dir wie man einen Bogen hält.“ Karêg stellte sich hinter Midori und hob ihren Arm mit dem Bogen. „Wichtig ist, dass der Arm mit dem Bogen gestreckt ist. Gerade von deinem Oberkörper weg. Deinen Zeigefinger streckst du aus. Der dient dir später als Stabilisator für den Pfeil. Nun nimmst du diesen Pfeil und packst ihn am Ende.“

Midori folgte brav seinen Anweisungen. Konzentriert lauschte sie seinen Worten. „Jetzt leg deinen Pfeil auf deinen Finger und spann die Sehne. Die Pfeilspitze endet vor deinem Finger.“ Midori zog die Sehne zurück und spürte wie viel Kraft sie benötigte um sie zu halten. Karêg trat zurück und betrachtete sie von der Seite. Er sah die Anspannung in ihrem Gesicht. „So und nun schieß dort auf den Baum. Sei nicht enttäuscht wenn es nicht klappt. Das schafft keiner beim ersten Mal.“

Gespannt sahen ihr alle zu. Plötzlich spürte Midori wie der Bogen pochte. Sie dachte erst, sie bilde sich das ein, doch als sie die Augen schloss, sah sie ein strahlendes Licht welches den Bogen umgab. Leise und unklar flüsterte ihr eine Stimme etwas ins Ohr, doch sie verstand es nicht. Vorsichtig öffnete sie wieder die Augen. Mit starrem Blick sah sie auf den Baum. Sie fixierte eine Stelle und dann ließ sie die Sehne los. Es war als lief die Zeit langsamer. Mit rasender Geschwindigkeit flog der Pfeil durch die Luft und flog am Baum vorbei. Enttäuschung machte sich in Midori breit. Doch Karêg klopfte ihr auf die Schulter und sagte: „Nicht schlecht. Ich hätte nicht gedacht das du so gut bist.“ Doch Midori sank nur den Kopf und murmelte: „Aber ich hab doch gar nicht getroffen.“ Doch Karêg nahm sie mit um den Pfeil zu holen und zeigte auf den Baum. „Doch siehst du, du hast ihn gestreift. Und das bei deinem ersten Schuss. Du wirst schnell lernen meine kleine.“ Fröhlich tanzend ging sie zu den anderen und prahlte mit ihrem Erfolg. Karêg unterbrach ihre Freude und sagte ernst: „Und nun wirst du alleine weiter üben. Ich werde in der Zwischenzeit Hina die Schwertkunst lehren.“

Hina war schon ganz aufgeregt doch Karêg nahm sich vor, sie nicht mit Samthandschuhen anzufassen. Mit steifer Miene sah Karêg in Hina’s entschlossenes Gesicht und dachte an seine Jugend. Damals war er sehr stolz das er schnell Erfolge erzielte, doch merkte er bald, das man nie aufhört zu lernen.

„Also gut. Hast du schon mal ein Schwert geführt?“, fragte Karêg mit dem Hintergedanken das sie es eh verneinen würde. Doch zu seinem Erstaunen nickte sie.

„Zuhause hatte ich Fechtunterricht. Gut, das Schwert mag etwa schwerer sein als ein Degen, aber die Technik unterscheidet sich nicht stark.“ Karêg freute sich zu sehen, wie gut Hina war. Er machte sich keine allzu große Hoffnung, doch er war ja hier um sie zu trainieren. Hina wollte beginnen und hob ihr Schwert, mit der Spitze zeigend auf Karêg. Dieser musste erstmal herzhaft lachen. Er rieb sich die Tränen aus dem Gesicht und atmete tief ein. „Mag sein das du Fechten kannst. Doch beim Schwertkampf hält man das Schwert nah am Körper. Die Arme sind gebeugt und das Schwert neigt sich leicht nach vorne. Los, probier es aus.“ Hina folgte seiner Anweisung und während Karêg Hina zeigte, wie man mit dem Schwert kämpft, versuchte Midori ihr Glück im Bogenschießen. Sie konzentrierte sich die ersten Male nicht richtig und verfehlte immer das Ziel um längen. Doch dann hob sie erneut den Bogen und zielte auf den Baum. Eine Schweißperle tropfte von ihrem schmalen, kindlichen Gesicht. Es war anstrengend die Sehne zu spannen. Midori wollte gerade loslassen als sie vor dem Baum ein Kind sieht. Blitzschnell verzieht sie den Bogen und der Pfeil schießt in die Höhe. Midori schreit kurz auf. Schnell kamen alle angerannt und fragen was passiert sei.

„Vor dem Baum war ein Kind!“ Die anderen drehten sich um, doch es war kein Kind zu sehen. Karêg ging sogar zum Baum hin, doch es gab keine Anzeichen, da dort jemand gewesen sei. Keine Fußspuren. Midori bestand auf ihrer Aussage und ärgerte sich das die anderen sie als verrückt abstempelten. Da trat plötzlich ein junges, blauhaariges Elfenmädchen in einem weiten Kleid zu ihnen. Freudig begrüßte sie Karêg und gab ihm eine herzliche Umarmung. Sie sah sehr nett aus, dachte sich Midori.

Karêg stellte sie den Mädchen vor: „Also Mädchen, das ist Nella. Sie ist eine sehr begabte Element Magierin. Aber am besten erzählt sie euch das selbst, wenn das in Ordnung ist, Nella?“ Gespannt warteten die Mädchen auf ihre Worte. Midori fand sie sehr interessant. Ihre Art war so kindlich. „Natürlich. Kein Problem“, meinte Nella freundlich und fing an zu erzählen. „Also ich habe gehört, ihr wollt die Magie beherrschen. Zuerst lasst euch nicht einschüchtern von meinem Aussehen. Karêg hat mir von eurem kleinen Geheimnis erzählt. Ich bin älter als ihr vielleicht glaubt. Wie ihr ja bereits wisst, vergeht die Zeit hier viermal so schnell. Ich lerne seit 80 Jahren die Magie zu beherrschen. Bei euch wären das 20 Jahre aber ihr seht das ist immer noch eine sehr lange Zeit. Ich habe wie ihr, völlig neu angefangen. Es gibt natürlich auch Personen, die haben Magie im Blut. Diese lernen schneller und sind meist auch besser. Wir werden herausfinden wie gut ihr seid. Wenn ihr wirklich dafür geboren seid, werdet ihr innerhalb weniger Tage einen einfachen Heilzauber beherrschen können. Dann werde ich euch die verschiedenen Elemente lehren. Ich sag euch gleich, viel Theorie ist der beste Weg zur Praxis.“

 

Den ganzen Tag übten sie nun das Meditieren und versuchten die Ruhe in sich selbst zu finden. Dies war sehr wichtig um Magie anwenden zu können. Denn nur wenn die innere Stimme es zulässt und man sie hört, hat man die Begabung zum Zaubern.

Hitomi fiel es schwer sich zu konzentrieren, denn sie war ein sehr aufgedrehter und ungeduldiger Mensch. Still zu sitzen war eine wahre Herausforderung. Aber Nella ermutigte sie und meinte zu ihr, das es länger dauern wird, bis man seine Innere Stimme zu verstehen mag. Auch die anderen hatten keine Erfolge vorzuweisen. Es dämmerte bereits als sie endlich fertig waren. Die Mädchen waren erschöpft und wollten nur noch ins Bett. „Es hat mir Spaß gemacht, mit euch zu üben. Ich freue mich schon auf morgen“, strahlte Nella und verabschiedete sich mit einem Kopfnicken. Sie hatte keine Freunde weil sie so intelligent war. Deswegen freute es sie, dass sie Mädchen in ihrem Alter gefunden hatte, die mit ihr sprachen und sie mochten. Sie war lange Zeit allein gewesen und kam nur zum einkaufen aus ihrer kleinen Hütte am Waldrand. Die Stadtbewohner wollten von ihr nichts wissen, weil sie keine Elfe aus Mandir Ista war. Karêg kannte sie seit ihrer Kindheit. Bei einem Überfall auf die Stadt rette er ihr das Leben. Damals war er noch im Dienste der Königin. Eines Tages dann überfielen Orks, gesandt von Saladir, die Stadt. Nella wohnte mit ihrer Großmutter in dem Haus am Waldrand. Ihre Großmutter war eine große Magierin und versuchte die Orks mit einem Schutzzauber vom Haus fern zu halten. Doch ein mächtiger Ork, der selbst die Magie beherrschte, durchbrach den Schutzwall und tötete die alte Frau. Nella musste alles mit ansehen. Sie hatte sich im Schrank versteckt und hörte den Namen des Mörders. Es war Yak’al. Seit dem Tag sahnte sie auf Rache. Sie begann Magie zu lernen und übte den ganzen Tag um eines Tages den Mörder ihrer Großmutter zu töten. Das war ihr einziges Lebensziel.

Midori und die anderen Mädchen waren sehr schweigsam beim essen. Sie waren zu müde um zu sprechen und bekamen nur mühsam das Essen runter. Den ganzen Tag hatte Midori nicht an Len gedacht, doch als sie ihn sah, kamen ihr wieder diese Gefühle der Ungewissheit hoch. Sie wusste einfach nicht, warum Len so abweisend war. Er sah sie nicht an und sprach nicht mit ihr. Das machte sie innerlich fertig.

Len hingegen dachte nur an das, was Gerlon über sein neues Schwert erzählt hat. Er war besorgt. Er fragte sich ob er sein Leben für Midori opfern würde. Doch in dem Moment, in dem er an Midori dachte, spürte er wieder diese Wut in sich und dachte: „Nein für die sicher nicht!“

Als alle fertig mit dem essen waren, gingen sie auf ihre Zimmer. Hina blickte kurz aus dem Fenster und da entdeckte sie eine pechschwarze Krähe mit silberner Brust. Doch als sie erneut hinsah, war da nichts. „Hm ich bin vermutlich nur müde“, dachte sie sich und ging auf ihr Zimmer. Sie war zwar müde, doch versuchte sie noch einmal zu Meditieren. Also setze sie sich auf ihr Bett und schloss die Augen. Sie hörte wie langsam dicke Regentropfen gegen ihre Scheibe hämmerten. Sie wurden immer lauter und immer schneller. Ein heftiger Sturm fing an sich auszubreiten, doch Hina saß auf ihrem Bett und lauschte dem Rhythmischen Trommeln der Tropfen. Sie spürte wie ihr Herz im gleichen Rhythmus schlug. Dann plötzlich hörte sie eine Leise Stimme die ihren Namen rief: „Teleria“, wisperte sie. Im gleichen Moment sprang die Tür auf und Midori schrie: „Hina!“ Verschreckt öffnete sie die Augen.

Midori rannte auf Hina zu und setzte sich hastig auf das Bett. Sie war ganz nervös und aufgeregt, was eigentlich nicht ihre Art war. Neugierig hackte sie nach: „Was ist denn los Midori?“ Midori musste erstmal nach Luft schnappen, weil sie den ganzen Flur entlang gelaufen ist. „Sieh mal, das lag auf meinem Bett!“ Sie öffnete die Hand. Hina traute ihren Augen nicht. In Midori’s Hand lag eine wunderschöne, goldene Kette mit einem Tropfenförmigen Smaragd Anhänger. Midori strahlte über das ganze Gesicht. „Die ist bestimmt von Len. Er will sich bestimmt entschuldigen.“ Ein bisschen skeptisch hörte Hina zu. Doch konnte sie sich nichts anderes Vorstellen. „Es ist wirklich eine schöne Kette.“ Hina sagte Midori das sie sehr müde sei und Midori verabschiedete sich mit einer Umarmung. Dann verließ sie wieder das Zimmer. Hina legte sich ins Bett und schlief sofort ein.





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